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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

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Viehhandel - Viehhandel

lassen. England besitzt in seinen Shorthorns das hervorragendste Mastvieh, Metropole Daubington, in der Vereinigung erwünschter Eigenschaften unübertroffen und deshalb wie die Vollblutpferde in alle Weltteile verpflanzt und auch in Deutschland zur Veredlung verwendet. Darunter gibt es Mastvieh bis zu 30 Ztr. Gewicht. England hat nach und nach die große Zahl der Schläge und Rassen vermindert; Shorthorns, Devons, Herefords und Schotten (Westhochländer) sind jetzt fast alleinherrschend und ziemlich gleichwertig. Als Milchvieh gibt es nur die Ayrshires mit Erträgen bis höchstens 2500 l und Shorthorns der Milchschläge, als Modevieh für die Parks Kanalinselvieh. Das Allemannsvieh ist das von Pembroke und Kerry und das Zugvieh das von Sussex. Beste Shorthorns gelten als Zuchttiere bis 100000 Mk. und mehr. -

Die Holländer und die Deutschen haben im Niederungsvieh, die letztern auch in den Allgäuern schwersten Schlags das beste Milchvieh der Welt, mit durchschnittlich 2500 und in guten Wirtschaften bei Stallfütterung mit bis 6000 l Milch (s. d.); man zahlt jetzt für Kühe der Art bis 500 Mk., für vorzügliche Zuchttiere über 1000 Mk. Hauptmarkt Sonthofen. Deutsches Mastvieh sind besonders das Marschvieh Holsteins, die Voigtländer, das Frankenvieh und andre bayrische Schläge mit 18-24 Ztr. Die Mehrzahl des Landviehs ist Allemannsgut, von Mittelgröße bis zu 500 Ztr. herab, oder Zugvieh. Hauptmärkte für „Preußenochsen“ sind die zu Schweinfurt und Bamberg, für Milchvieh etc. Berlin, Hamburg, Breslau, Oldenburg etc., für echte Holländer die Stadt Wehner. Es gibt überall Landgüter mit vortrefflichen Viehstämmen, wie sie der Gegend entsprechen; diese sind die besten Bezugsquellen für Zuchtvieh. Deutschland leidet noch an zu großer Zahl der Rassen. Im Norden überwiegt das Niederungs- und im Südwesten das Schweizerblut. - Frankreich hat keine hervorragenden eignen Zuchten, sondern nur solche aus Holländer-, englischem- oder Schweizervieh; vorzüglich, und die besten überhaupt, sind die Zugochsen, z. B. die von Charolais, Berry etc. Die Schweiz hat Fleckvieh (Freiburger, Simmenthaler, Saaner, Frutiger, etc.) und Einfarbiges Vieh (Berner, Schwyzer etc.); seine weithin bezogenen Viehstämme sind schwerknochig, groß, ungünstig im Schlachtgewicht, gutes Milchvieh im Heimatland und beim guten Futter, weniger gut außerhalb, grob im Fleisch, aber in Frankreich und Süd- und Mitteldeutschland beliebt in Reinhaltung und zu Kreuzungen. Österreichs beste Milchrassen sind die, den einfarbigen Schweizern und Allgäuern verwandten, Montafuner, und die mit ungarisch podolischem Blut gekreuzten Mariahöfer, Mastrassen sind Egerländer, Böhmen, etc., vorzügliche Zugtiere die ungarisch podolischen und die in der Donau- und den Mittelmeerländern allgemein verbreiteten Büffel.

Auch Österreich hat zu viele Mittelrassen und kommt nicht über 1200 l durchschnittlich pro Kuh und nicht über 1600 l für die tragenden Kühe. Zuchtmaterial für auswärts sind die Montafuner. Fremdes Blut ist viel verbreitet. Gute Zugochsen kosten bei uns 200-400 Mk. u. mehr, Kühe 150-500 Mk., Mastvieh wird nach Gewicht bezahlt, mageres durchschnittlich zu 75% des Fleischpreises, verschieden nach Lokalität und Qualität in den Abstufungen mittel- oder halbfett, fett, hochfett, oder I. II. III. Güte. Gleiches gilt von Schafen und Schweinen, soweit Schlachtvieh in Betracht kommt. - Von Schafen haben Deutschland (Sachsen) und Österreich, zum Teil auch Rußland, noch die feinwolligsten Merinos; (Elektorals und Infantados; s. Wolle), England hat die schwersten Fleischschafe (Southdonws ^[richtig: Southdowns], Cotswolds, Lincolns, Leicesters, etc.), Frankreich die größten feinwolligen Schafe in den Rembouillets, Mauchamps, etc.; Holland und Norddeutschland haben Riesenschafe, Italien hat die großen Bergamasken-Wanderschafe. In Deutschland gibt es immer mehr Neigung für Fleischschafe mit Wollreichtum (englische und französische Kreuzungen) und noch gute Landschafe, sowie ganz grobwollige, Heidschnucken und Zakelschafe. Vollblut-Merino-Zuchttiere kommen noch auf 300 bis 1000 Mk. und mehr, Halbblut auf 150-400 Mk. Ziegen haben vorzugsweise die Gebirgsländer; ihre Zahl vermehrt sich in Deutschland, weil die Bahnwärter großen Bedarf zeigen. Von Schweinen werden in England die größten und fettesten (oft bis über 1000 Pf.), aus chinesischem und romanischem Blut mit Landschweinen hervorgegangen, gezüchtet und sehr fruchtbarer Rassen, sämtlich auswärts viel zur Zucht begehrt, obschon die Vorliebe für reine englische Zuchten nachgelassen hat. Berkshire-Eber zur Zucht, schwarze Essex, weiße Windsor, Yorkshires und Suffolks sind gesucht. Deutschland hat gute Landrassen und vielfache Kreuzungen mit englischen Schweinen, welche in reiner Zucht nicht mehr beliebt sind. Von Berkshire-Ebern und Maskenschwein-Sauen gibt es vortreffliche Tiere zur Ferkelzucht, mit der größten Menge von Ferkeln selbst bis 18 Stück auf einen Wurf. Österreich besitzt in Ungarn eine bedeutende Schweinezucht, kraushaarige und andre gute Rassen. Die Preise für Schweine gehen nach Gewicht. Im ganzen ist die Zahl der noch vorhandenen Rassen und Schläge der Haustiere noch viel zu groß, überall aber das Bestreben vorhanden, zu veredeln und besonders nutzbar das Vorhandene zu gestalten. Der Handel mit gutem Zuchtvieh ist daher ein sehr lebhafter allenthalben, doch muß der Händler genau wissen, was in den einzelnen Orten begehrt wird und am Platze ist. Nach England kann nur hochfettes Vieh gehen, nach Frankreich mehr mageres, gutfleischiges Vieh. Die Versorgung der Großstädte erfordert sehr milchreiche Tiere für die Milchwirtschaften und gutes Mastvieh zum Schlachten. Märkte und sonstige Kauf- und Verkaufsgelegenheiten gibt es überall; großartig eingerichtet ist jetzt der Berliner Viehmarkt und Berlin besitzt auch die größten und berühmtesten Firmen für Vieh. Auch Hamburg, Frankfurt a./M. und andre Großstädte haben regen V. und vortreffliche Märkte. Schlachtvieh wird jetzt fast nur noch nach Ge-^[folgende Seite]