Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Wachstuch; Waid; Waldwolle

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Wachstuch - Waldwolle

in beständiger Zunahme begriffen ist. Wachspapier ist mit geschmolzenem W. getränktes Papier, das von Apothekern und Droguisten verwendet wird. Über die Verwendung des W. zu Kerzen, s. den Artikel. - Die Einfuhr von W. in das Deutsche Reich belief sich im Jahre 1881 auf 621700 kg, hiervon kamen über Hamburg 167750 kg, gegen 217400 kg in 1880. Die Ausfuhr aus dem Deutschen Reiche betrug 1881 359600 kg W. Der Preis ist für deutsche Ware ca. 2,40 Mk. pro kg, für überseeische 2-2,06 Mk. pro kg. - Zoll gem. Tarif Nr. 26 c 2. (Wie W. von Bienen wird alles tierische und vegetabilische, sowie ferner auch das gereinigte Erdwachs (Ozokorit) verzollt.) Wachspapier Nr. 27 e. Wachskerzen Nr. 23.

Wachstuch, ein verhältnismäßig neuer Artikel, der einen alten, nicht mehr passenden Namen überkommen hat. Das alte W. oder die Wachsleinwand hatte in der That wächserne Überzüge, die aber schon längst passenderm Material gewichen sind. Die heutigen Stoffe, welche in besondern Fabriken, je nach den verschiednen Bestimmungen, in großer Mannichfaltigkeit hergestellt werden, sind leichtere oder schwerere Baumwoll- oder Leinengewebe, zum Teil auch solche aus Werg oder Jutegarn, die mit einer biegsamen farbigen Firnisschicht überzogen, oft auch lackiert sind. Die Ware wird fast allgemein hergestellt in Stücken von 0,85-2,27 m Breite und 6,8-10,0 m. Länge oder auch noch länger. Die schmale Ware, wie z. B. Laufteppiche (Treppenläufer), wird ebenfalls als breite gefertigt und dann der Länge nach geteilt. Die Stoffe werden in Rahmen eingespannt und zunächst mit einer Leim- oder Kleisterschicht grundiert, um die Poren des Gewebes zu schließen, da sonst der Firnis dasselbe durchdringen und ganz steif machen würde. In den meisten Fällen wird auch die Unterseite grundiert und erhält eine schwache Firnisdecke, ausgenommen die geringe, nur zu Packtuch u. dgl. dienende, Ware, sowie den zu Möbeldecken bestimmten Wachsbarchent, dessen weiche Unterseite unverändert bleibt. Die auf den Untergrund getragene erste Schicht von Firnisfarbe wird nach dem völligen Austrocknen mit Bimsstein eben geschliffen und ebenso wird mit jeder folgenden verfahren. Wieviel Schichten aufzutragen sind, hängt natürlich von der Art und Stärke der Ware ab. Den Beschluß macht ein Glanzfirnis oder eine Lackierung; gedruckte Sachen werden erst nach dem Drucken geglänzt. Die einfarbigen Waren sind meist schwarz oder sonst dunkelfarbig und die feinen Sorten nehmen sich wie lackiertes Leder aus und dienen auch häufig an dessen Stelle da, wo nicht die volle Festigkeit des Leders erforderlich ist. Das meiste wird gedruckt oder sonst farbig figuriert und dient dann zu Fußboden- und Wandtapeten, Möbeldecken, zum Ausschlagen von Wagen und ähnlichen Zwecken. Das Drucken geschieht auf Tafeln mittels Druckblöcken nach Art des Tapetendrucks; die Musterung ist sehr mannigfaltig; für Fuß- und Wandtapeten ist die Nachahmung von Holzmosaik naheliegend und wird häufig angewandt. Neben dem eigentlichen Drucken dienen als anderweite Mittel zur Ausstattung das Marmorieren und das Maserieren. Das erstere ist Handarbeit, bei welcher Pinsel, Schwämme, Tupfballen u. dgl. die Hilfsmittel abgeben. Man erzeugt nicht bloß irgendwelchen Phantasiemarmor, sondern auch Nachahmungen wirklicher, natürlich vorkommender Marmorarten. Das Maserieren, die Nachahmung von Nutzhölzern mit ihrer verschiednen Maserung, ist in neurer Zeit besonders gepflegt und vervollkommnet worden. Es dienen dazu besonders hölzerne Walzen mit erhaben geschnittener Musterung, welche über das mit Farbe bestrichene Arbeitsstück hingeführt werden. Die Wachstuchbranche hat überhaupt in der Neuzeit große Fortschritte gemacht und erzeugt neben gewöhnlichen Bedarfsartikeln auch schöne und feine Luxusware. Ein Hauptsitz der Fabrikation ist Leipzig; außerdem gibt es Fabriken in Offenbach, Frankfurt a./M., Berlin, Wien u. a. O. - Zoll gem. Tarif Nr. 40 a, b u. c. Waren aus W. Nr. 21 c. u. d.

Waid, Isatis tinctoria L., Färberwaid, falscher Indigo, Färberscharte; (engl. Dyers Woad, frz. guéde, pasted des teinturiers, vouéde, holl. weede, ital. Gnado ^[richtig: Guado]), Pflanze und Farbstoff aus den Blättern, erstere nur noch wenig angebaut, da der Indigo den Anbau nicht mehr lohnend macht. Die Pflanze gehört zu den Kreuzblütlern, Gruppe Isatideae, ist zweijährig, 0,6-1,2 m hoch, hat kahle, bläulich grüne Blätter, Blüten mit gelben Kronenblättern und 15-18 cm lange Schötchen, welche anfangs grün, dann purpurviolett, zuletzt schwärzlich sind; heimisch ist die Pflanze im Süden, ihr Boden ist Kalk. Man baut den W. auch in Ungarn, Thüringen und in Frankreich. Er verlangt tief gelockerten fruchtbaren Boden, feuchtwarmes Klima, viel Dünger und unter den Mineralstoffen und im Boden besonders Kalk. Gesät wird im Herbst und im Frühjahr, der Samen in den Hülsen, 4-12 kg (1 kg zu 200-250000 Körner, 1 hl 9-12 kg pro ha). Die Pflanzen müssen rein gehalten und öfters gejätet und behäufelt werden, auch vereinzelt in Abständen von 18-22 cm. Im ersten Jahre bleibt der W. klein, im zweiten wird er bis 1 m hoch. Man erntet, wenn die Blätter gelb werden, Winterwaid oft schon vor Winter, dann im Juni und zuletzt im Herbst, oder nur zweimal, und macht die Blätter lufttrocken, oder auch trocken auf Horden. Ertrag 34-40 m. Ztr., 3-5 m. Ztr. Samen; 100 m. Ztr. Blätter geben 42 Ztr. trockne Ballen. Man zahlt für 100 kg 16-40 Mk. Die Blätter werden gewaschen, getrocknet, gemahlen, mit Wasser zu steifem Brei angerührt und einige Zeit unter offnen Schuppen sich selbst überlassen, dann zu großen Kugeln, Waidkugeln, geformt und so nach gutem Trocknen in den Handel gebracht, wenn man nicht vorzieht, die lufttrocknen Blätter zu versenden. Der W. ist wenig mehr gebräuchlich; er enthält Indigoblau und findet Verwendung in der Blaufärberei. - W. und Waidkugeln sind zollfrei.

Waldwolle (frz. laine végétale, laine des bois), ist ein aus den grün eingesammelten Kiefern-Föhren-Nadeln gewonnener Faserstoff, welcher