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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Weinsaures Kali; Weinsaures Kaliammoniak; Weinsaures Natronkali; Weinstein

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Weinstein - Weinsaures Natronkali

in die Rechts- und Linksweinsäure spalten läßt. - Die W. gibt mit den Basen zwei Reihen von Salzen, neutrale (Tartrate) und saure (Bitartrate). - Die Einfuhr von W. in das Deutsche Reich betrug 1881: 58800 kg, die Ausfuhr dagegen 1275800 kg. - Die wichtigsten im Handel vorkommenden weinsauren Salze und Doppelsalze sind: das neutrale weinsaure Kali, das saure weinsaure Kali (s. Weinstein), das weinsaure Antimonoxydkali (s. Brechweinstein), das weinsaure Kaliammoniak, das weinborsaure Natronkali (s. Boraxweinstein) und das weinsaure Natronkali. - Zollfrei.

Weinstein (lat. tartarus, frz. tartre, engl. tartar, argal, ital. tartaro); ein Bestandteil des Mostes der Weintrauben, scheidet sich teils schon während der Gärung mit der Hefe, teils erst beim Lagern des fertigen Weines, wegen der Schwerlöslichkeit in alkoholhaltigen Flüssigkeiten, ab und setzt sich in letzterem Falle als harte kristallinische Kruste an den Wandungen der Lagergefäße ab. Auch in den beim Keltern der Trauben zurückbleibenden Weintrestern ist noch eine ziemliche Menge von W. enthalten und kann aus diesen gewonnen werden. Den meisten W. liefern die säurereichen und zugleich alkoholreichen kräftigen Weine aus gut gezeitigten Trauben. Man erhält im Durchschnitte aus einem hl Wein während längerer Lagerung 0,75 kg W. Um den W. aus den Fässern herauszubekommen, läßt man die Fässer austrocknen oder trocknet sie künstlich dadurch aus, daß man auf einer, im Inneren der Fässer angebrachten, geeigneten Unterlage ein leichtes nicht sehr rauchendes Feuer mittels Stroh oder Hobelspähnen anbrennt. Durch dieses auf die eine oder andre Weise bewirkte Austrocknen wird der Zusammenhang zwischen der Faßwand und der Weinsteinkruste gelockert, sodaß man letztere durch Klopfen an die Tauben des Fasses oder nötigenfalls auch an die Kruste im Innern mittels eines langstieligen Hammers loslösen kann. Dieser so erhaltene rohe W. (tartarus crudus) besitzt, je nach der Farbe des Weines, aus dem er sich abgesetzt hat, entweder eine bräunlichrote bis rötlichweiße oder eine gelbliche bis graue Farbe und heißt im ersteren Falle roter W. (tartarus ruber), im andern weißer W. (Tartarus albus); es sind harte, kristallinische, tafelförmige Stücke, vermengt mit kleineren Brocken und Klarem. - Man bezieht den W. hauptsächlich aus Italien, Österreich-Ungarn, Frankreich und dem südwestlichen Deutschland. Der Hauptsache nach besteht der W. aus saurem weinsaurem Kali (doppelweinsaurem Kali, Kaliumbitartärat, Kali bitartaricum); er enthält aber fast immer schwankende Mengen von weinsaurem Kalk (Calciumtartrat), kleine Mengen Magnesia, Eisenoxyd, Zucker, Farbstoff und Zellsubstanz in Form von Hefe; manche Sorten von W. enthalten auch Traubensäure. Der Gehalt an weinsaurem Kalk kann bis zu 45% steigen, schwankt aber am häufigsten zwischen 9 und 15%. Der rohe W. kommt auch gemahlen in den Handel und wird in der Färberei, jedoch nur bei dunklen Farben, als Beize verwendet; für hellere Farben verwendet man den gereinigten W. Mit der Reinigung der Rohware beschäftigen sich besondere Fabriken und erzeugen daraus halb- und ganzraffinierten W.; letzterer kommt in harten weißen Kristallkrusten unter dem Namen Crystalli tartari in den Handel, teils gemahlen oder in Form eines sehr feinen, weißen kristallinischen Pulvers, Weinsteinrahm oder cremor tartari genannt. Dieser Name rührt daher, daß man früher die Schicht kleiner Kristalle, welche sich in den Kristallisierbottichen an der Oberfläche der Lauge bildet, ähnlich wie Rahm von der Milch, abschöpfte und als separate Ware verkaufte; jetzt mischt man auch das hierbei zu Boden gefallene Kristallmehl, welches dieselbe Zusammensetzung hat, darunter. Für medizinische Zwecke wird dieser cremor tartari noch weiter gereinigt, indem man ihm die letzten noch anhängenden Spuren von weinsaurem Kalk entzieht; er heißt dann tartarus depuratus. Derselbe ist ganz weiß, geruchlos, schmeckt schwach sauer, löst sich in kaltem Wasser wenig und schwer, leichter in heißem; in Alkohol ist er unlöslich. Man benutzt ihn auch zur Darstellung andrer weinsaurer Salze und Doppelsalze. Der rohe W. wird außer in der Färberei auch noch zur Darstellung von Weinsäure und von Brechweinstein in großen Massen verwendet. Die Einfuhr von Weinstein in das Deutsche Reich belief sich im Jahre 1881 auf 2643500 kg, die Ausfuhr auf 194100 kg. Bedeutende Mengen von W. bezieht auch Nordamerika; im Jahre 1880/81 wurden daselbst 13712528 amerikanische Pfund roher W. im Werte von 2195420 Dollar eingeführt und außerdem 203969 Pfund halbraffinierter W. im Werte von 47801 Dollar. - Zollfrei.

Weinsaures Kali (einfachweinsaures Kali, neutrales weinsaures Kalium, Kaliumtartarat, Kali tartaricum, tartarus tartarisatus), eine weiße, an der Luft feucht werdende Salzmasse, in Wasser sehr leicht löslich, wird nur medizinisch verwendet. Man gewinnt dieses Salz dadurch, daß man gereinigtem saurem weinsaurem Kali (Weinstein) so lange eine Lösung von einem kohlensaurem Kali zusetzt, bis die Flüssigkeit vollkommen neutral ist und kein Aufbrausen mehr stattfindet; die Flüssigkeit wird dann zur Trockne verdampft. Man muß das Präparat in sehr gut schließenden Gefäßen aufbewahren. - Zollfrei.

Weinsaures Kaliammoniak (Ammoniakweinstein, Kaliumammoniumtartarat, lat. tartarus ammoniatus, cremor tartari solubilis ammoniacalis), ein aus Weinsäure, Kali und Ammoniak bestehendes Doppelsalz; es wird durch Sättigen von gereinigtem Weinstein mit Salmiakgeist erhalten und bildet farblose, in Wasser leicht lösliche Kristalle von kühlend salzigem Geschmack; sie trüben sich an der Luft nach und nach infolge von Ammoniakverlust und müssen daher in gut verschlossenen Gefäßen aufbewahrt werden. Verwendung findet dieses Doppelsalz nur zu medizinischen Zwecken. - Zollfrei.

Weinsaures Natronkali (Weinsaures Kalinatron, Natriumkaliumtartarat, Seignettesalz, Kali natronato-tartaricum, tartarus natronatus). Dieses Salz erhält man, wenn man zu gereinigtem Weinstein so viel reine kohlensaure Natronlösung hin-^[folgende Seite]