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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Zink

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Zink - Zink

frei, tritt in Dampfform auf und zieht durch ein Rohr ab, in welchem es sich tropfbar verdichtet und in untergestellte Gefäße abtropft. Dieses Tropf- oder Rohzink wird noch einmal in eisernen Kesseln eingeschmolzen, von Oxyd gereinigt und zu Barren oder Platten ausgegossen, die entweder so in den Handel gehen, oder zu Blechen ausgewalzt, beziehentlich auf Zinkweiß verarbeitet werden. Das Z. diente anfänglich nur zur Darstellung des Messings; dann gab ihm die Entdeckung des Galvanismus eine Bedeutung, die das Metall allein schon zu einem wichtigen und unentbehrlichen Artikel für alle Zeiten gemacht hat. Ein sehr bedeutender Teil des gewonnenen Metalles wird jetzt auf Telegraphenstationen, in Werkstätten und Laboratorien zur Erzeugung galvanischer Ströme konsumiert. Eine weitere Bedeutung erlangte das Z., als man 1805 die Entdeckung machte, daß das sonst so spröde und undehnbare Metall unter gewissen Temperaturgraden (s. Bleche Seite 56) eine ziemliche Streckbarkeit annimmt und dann auch nach dem Erkalten zähe und biegsam bleibt. Dadurch wurde die Herstellung von Z. blech möglich, das jetzt von so großer Bedeutung geworden ist. Eine der ersten Verwendungen desselben war die zur Dachdeckung, wozu sich das Metall recht wohl eignet, denn es bedeckt sich, dem Wetter ausgesetzt, mit einer grauen, äußerst dünnen Schicht von basisch kohlensaurem Oxyd, welche für weitere Einwirkungen der Atmosphäre einen wirksamen Schutz gewährt. Aus Zinkblech werden jetzt aber außerdem eine Menge Klempnerarbeiten, Dachrinnen und Fallrohre, Badewannen, Waschbecken, Kübel u. dgl. gefertigt. Nur zu Gefäßen für solche Flüssigkeiten, die zu Speise oder Trank dienen, Milch, Wasser, ist das Metall untauglich wegen seiner leichten Löslichkeit und der Schädlichkeit solcher Lösungen für die Gesundheit. Zinkplatten dienen ferner zum Zinkdruck (Metallographie), zu Firmen, Thürschildern, Pflanzenetiketten, wie als Zwischenlagen (Preßspäne) beim Satinieren von Papieren u. dgl. Als Bestandteil von Legierungen geht das Z. in Messing, Tombak, Bronze und Neusilber ein. Als schützenden Überzug gegen Rost benutzt man es auf eiserne Bleche, Drähte und Nägel und nennt solche Gegenstände ungeeignet galvanisierte, obwohl sie lediglich in geschmolzenes Z. eingetaucht wurden. Wasserstoffgas wird meistens erzeugt durch Auflösen von Z. in verdünnter Schwefelsäure. - Eine verhältnismäßig neue Anwendung des Metalles ist die als Gußmaterial, wozu es sich ganz vorzüglich eignet, da es die Formen der Modelle in ausgezeichneter Schärfe wiedergibt. Es schmilzt bei 412° und ist sehr dünnflüssig. Da aber das gegossene Metall sehr kristallinisch und daher spröde und zerbrechlich ist, so beschränken sich die Zinkgüsse meist nur auf Werke der Kunstbildnerei, Statuen, Gruppen, architektonische Stücke mancherlei Art, Monumente u. dgl., so wie auf kleinere Gebrauchsgegenstände wie z. B. Leuchter, Lampenfüße etc. Der Zinkguß erfolgt in Sand- oder gußeisernen angewärmten Formen; die gute Lötbarkeit des Metalles gestattet die Bequemlichkeit, große Sachen stückweise zu gießen und sie dann durch Lötung zu verbinden. Hohle Zinkgüsse werden häufig durch das Stürzen erzeugt. Man gießt die Form bald nach der Füllung wieder aus, sodaß nur die dünne Schicht zurück bleibt, welche an den Formwandungen bereits erstarrt ist. Auch Kartätschenkugeln werden in Z. gegossen. Für den ornamentalen Zinkguß ist Berlin die Hauptstadt; auch in Wien und Leipzig wird derselbe betrieben. Über Zinkdraht s. Näheres bei Draht. - Die hauptsächlichen Z. produzierenden Örtlichkeiten ergeben sich aus der weiter unten folgenden Aufstellung. Zinkerze werden außerdem geliefert von Sardinien und Spanien nach England, von Schweden nach Belgien. Nordamerika versorgt sich aus eigenen Gruben. - Die beiden wichtigsten Zinkdistrikte sind Oberschlesien mit der Fortsetzung nach Polen und Galizien, und andrerseits die preußisch-belgische Grenzgegend bei Aachen. Hier ist das größte, seit alten Zeiten und sogar als Tagbau betriebene Galmeibergwerk, der Altenberg (Vieille montagne). Von da gehen zinkführende Hügelzüge bis jenseits Lüttich. Die Zinkgruben befinden sich hier sämtlich in den Händen der Aktiengesellschaft Vieille montagne, die außerdem noch Gruben und Hüttenwerke in der Rheinprovinz und in Frankreich besitzt und ein altes Werk bei Wiesloch in Baden wieder aufgenommen hat. - Den jährlichen Bedarf an Z. schätzt man auf 180000 Tons à 1000 kg. - Im Jahre 1876 soll auf der Erde etwa folgende Ausbeute an Z. erreicht worden sein:

^[Liste]

Schlesien 49377 Tons

Vieille Montagne 38518 "

Nordamerika 15000 "

Stolberg 13645 "

Asturische Gesellschaft 11178 "

Austro-Belge 5600 "

Eschweiler 5296 "

Wittwe Laminel 5200

Österreich und Polen 5000 "

Nouvelle Montage ^[richtig: Montagne] 4758 "

Iserlohn 4458 "

Gladbach 2740 "

Bédarieux 2000 "

Bleiberg l720 "

Es sind dies im Ganzen 164490 Tons.

Seitdem ist die Produktion nicht unwesentlich gestiegen, denn sie betrug 1879: 193864 und 1880: 203830 Tons. Hiervon kamen auf:

1879 1880

Deutschland 96360 Tons 99405 Tons

Belgien 63007 " 65010 "

England 16750 " 22000 "

Frankreich 14467 " 13715 "

Österreich 3280 " 3700 "

In Deutschland ist die oberschlesische Produktion die stärkste, denn sie belief sich 1880 allein auf 65437 Tons. Die Einfuhr von Z. in das Deutsche Reich betrug im Jahre 1881: 4237800 kg, die Ausfuhr dagegen 59962500 kg und außerdem 18275900 kg gewalztes Zink (Zinkblech) mit Tara 10%. - Zinkerze wurden in Deutschland 1881 eingeführt: 19132200 kg, ausgeführt: 12798400 kg. Die Einfuhr von Z.