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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Louvière – Louvre

wurde L. in den Jakobinerklub auf genommen und ließ 1791 den Roman "Emilie de Varmont, ou le divorce Nécessaire" erscheinen. In der Gesetzgebenden Versammlung verband er sich mit den Girondisten, und als Roland Minister wurde, trat L. in der von ihm herausgegebenen Zeitschrift "La Sentinelle" für ihn auf. Im Konvent forderte er die Bestrafung der Septembermörder und hatte 29. Okt. 1792 den Mut, Robespierre des Strebens nach der Diktatur förmlich anzuklagen. Er floh dann aus Paris, irrte in der Normandie und Bretagne umher, wo er bis zur Revolution vom 9. Thermidor (27. Juli 1794) verborgen blieb. Die Geschichte seiner ^[#] (u. d. T. "Quelques notices pour l'histoire ^[#] de mes dangers" (Par. 1795 u. ö.) ^[#] März 1795 nahm er seinen Sitz im Konvent wider ein, trat dann in den Rat der Fünfhundert und starb 25. Aug. 11797. Die "Mémoires de L." (2 Bde., Par. 1889) gab Aulard heraus,

Louvière, La (spr. luwiähr), Gemeinde in der belg. Provinz Hennegau, an den Bahnlinien Manage=Mons und L.=Bascoup (12 km), hat 14 257 E., reiche Kohlengruben, Glashütten und Eisenwerke.

Louviers (spr. luwieh). 1) Arrondissement des franz. Depart. Eure, hat 778,64 qkm, (1891) 57301 E. – 2) Hauptstadt des Arrondissements L., am linken Ufer der Eure, in einem fruchtbaren Thale, an den Linien Elbeuf-L.-Paris und Rouen-L.-Chartres der Westbahn, Sitz eines Gerichtshofes erster Instanz, eines Handelsgerichts, eines Kommunal-Collèges, eines Gewerberates, hat (1891) 9143, als Gemeine 9979 E,, einen schönen Dom, dessen älteste Teile aus dem 13. Jahrh. stammen, eine Bibliothek von 9000 Bänden, eine Zeichenschule, ein Gefängnis, ein großes Hospital und schöne Promenaden. Die Stadt unterhält zahlreiche und altberühmte Tuchfabriken (billige Stoffe und Modeartikel), Wollspinnerei, Walkmühlen, Bleichen, auch baut man Maschinen zur Tuchfabrikation und treibt lebhaften Handel mit feinen Manufakturen. Hier wurde 1681 die erste Tuchfabrik und 1789 die erste Baumwollspinnerei Frankreichs errichtet.

Louvois (spr Luvoá), François Michel Le Tellier, Marquis de, Kriegsminister Ludwigs XIV., geb. 18. Jan. 1641 zu Paris. Sein Vater. der Staatssekretär Le Tellier, weihte ihn in die Staatsgeschäfte ein; 1662 trat er in das Kriegsdepartement ein, das bald ihm allein zufiel. Reich an Kenntnissen und von unermüdlicher Arbeitskraft, hob L. Frankreichs Kriegsmacht, der er ihren halb privatrechtlichen Charakter nicht abstreifen konnte (Käuflichkeit der Offizierstellen), deren Bande er aber in straffer Aufsicht fest anzog (Reformen von 1668, von 1679 fg.), auf eine hohe Stufe in Bezug auf Stärke, Ausrüstung, Versorgung, auf Mannszucht, Ausbildung und Pflege der Kriegswissenschaften. Er veranlaßte den König zur Errichtung der Adelsakademien und schuf dadurch ein tüchtiges Offizierskorps. L gab 1670 den Anstoß zum Bau des Invalidenhotels und leitete dessen Bau, sowie später den von Versailles. Er ward der Schöpfer der Heere, mit denen Ludwig XIV. Frankreich die europ. Vormacht errang, und seine Persönlichkeit hat der Politik Ludwigs zum Guten Teil die rücksichtslose Gewaltsamkeit aufgedrückt, die sie seit Lionnes (s. d.) Tode (1671) auszeichnet. Überall rauh durchgreifend, konnte er weder im Innern Nebenbuhler, noch im Äußern aufrechte Gegner ertragen. Er war ein entschiedener Vertreter der kriegerischen Politik, den Frieden verstand er nur als Gelegenheit zu friedlicher Fortsetzung der Eroberungen (s. Réunionskammern). Auf ihm lastet auch das Andenken der Dragonaden (s. d.), mit denen die Reformierten bekehrt wurden. L. hatte sich von der allgemeinen kath. Bewegung mitreißen lassen, der Staatsmann L. hätte später die Hugenotten, im Interesse des Nationalwohlstandes, gern zurückberufen. Nach Colberts Tode (Sept. 1683) wurde L. der alleinmächtige Minister; einem verwandten, Pelletier, verschaffte er das Ministerium der Finanzen, er selbst übernahm die Aufsicht der Bauten; von vier Stimmen im Conseil hatte die Familie jetzt drei. Wesentlich die nun folgenden Übergriffe L.' in Europa führten den großen Rückschlag herbei, der von 1688 an Ludwigs XIV. Erfolge lähmte; wider Willen mußte L. seinem Herrn zu dem großen Kriege von 1688 raten. Von L. und den Verwaltungsmännern ging die Verwüstung der Pfalz 1689 aus. Das Ende des neunjährigen Kampfes erlebte er nicht mehr. Schon war seine Stellung unter dem Eindruck der ungünstigsten Kriegsführung und der Zerrüttung des Staatshaushaltes untergraben, als er plötzlich starb (16 Juli 1691). – Vgl. C. Rousset, Histoire de L. et de son administration politique et militaire (6. Aufl., 4 Bde., Par. 1879).

Louvre (spr. luhwr), seit 1793 das Hauptmuseum in Paris, am rechten Seineufer, war unter den Kapetingern Königspfalz, Jagdhaus und Hofburg. Karl V. verwandelte die Hofburg in ein got. Residenzschloß, welches unter Franz I. und Heinrich II. durch Pierre Lescot zu einem Palast im Renaissancestil umgebaut wurde. Dieser Neubau, das gegenwärtige Alte L. war noch unvollendet, als Katharina von Medici die Überreste des alten Schlosses damit vereinigte und ihre Residenz dahin verlegte. Aus dieser Zeit stammet auch der Lescots südl. Façade gegen die Seine vorspringende Anbau. Heinrich IV ließ den Anbau um ein Stockwerk erhöhen und durch eine Gebäudereiche an der Wasserseite mit den Tuilerien verbinden (S. Tafel: Französische Kunst II, Fig. 11.) Demercier setzte an Lescots westl. Façade die andere Hälfte mit dem großen Pavillon in der Mitte an und förderte den nördl. Flügel. Das sog. Neue L. wurde unter Ludwig XIV. hinzugebaut. Vier Flügel schlossen nun den Hof des Palastes in ein gleichseitiges Viereck ein. Seitdem Paris als königl. Resindenz beinahe aufgegeben war, wurde das L. von Hofleuten und Beamten, sodann von Künstlern und Gelehrten bewohnt. 1805 erheilten die Architekten Percier und Fontaine von Napoleon I den Auftrag, das L. völlig auszubessern und auszubauen. Unter der Restauration und unter Ludwig Philipp that man nichts für den weitern Ausbau. Erst Napoleon III. begann 1852 die großen Arbeiten nach dem Plan der Architekten Visconti und Lefuel. (S. Tafel: Französische Kunst II, Fig. 12.) Auf solche Weise waren bis zum Brande der Tuilerien (s. d.) die beiden Paläste zu einem Riesenbau vereinigt, der Hofwohnungen, Ministerien, Museen, die Bibliothek, Gärten, einen Paradeplatz, eine Reitschule, Pferdeställe u. s. w. einschloß. Jetzt befinden sich außer dem Finanzministerium nur das Museum im L.; die Bibliothek verbrannte 1871. Über die im L. enthaltenen Kunstschätze s. Paris. - Vgl. Lafenestre und Richtenberger, Le Musée national du L. (Par. 1893); Babeau, Le L. et son histoire (ebd. 1895)