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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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0061c
Erläuterungen zu den Karten: Pflanzengeographie I. II.
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Pflanzengeographie I. (Die Vegetations= und Kulturzonen der Erde.)
Die S.61 beschriebenen vier Hauptzonen gliedern sich in Abschnitte, die den schroffen Wechsel gleichsam wie Übergangsgebilde von einem zum anderen ableiten. Von großem Interesse ist die Wirkungsweise der Temperatur. Das äquatoriale Klima kennzeichnet sich durch Gleichförmigkeit; die Linien gleicher Wärmeschwankung von 5°C., innerhalb von deren Verlauf also der kälteste Monat nur höchstens 5°C. kühler ist als der wärmste, sind daher hier bedeutungsvoll und schließen die größte tropische Fruchtbarkeit ein. Außerhalb der Wendekreise mehren sich die Gegensätze und es wird bald ein Klima erreicht,. wo der kühlste Monat als ein Mittel nur noch 10°C. hat und dadurch die Vegetation in einen winterähnlichen Zustand der Ruhe bringt; damit hat alsdann der letzte Rest tropischer Erscheinungsweise aufgehört. Im Norden nimmt nun die Winterkälte gewaltig zu, und die Linie des Januarmittels von –20°C. zieht noch großenteils durch vegetationskräftige Waldländer, allerdings nicht ohne Schädigung ihrer Kulturfähigkeit. Sogar noch –40°C. als Januarmittel werden in Ostsibirien im Lena=Unterlaufgebiet von Waldbäumen (Lärchen) ertragen. Im Süden nimmt die Winterkälte nicht in gleicher Heftigkeit zu, die milden Fröste von Feuerland und den noch südlichern Inseln sind bekannt. #Trotzdem verarmt ihre Vegetation sehr rasch und nimmt ein dem Norden in viel höheren Breiten ähnliches Gepräge an: die mangelnde Sommerwärme wirkt entkräftend, und so bezeichnet die Isotherme von 10° C. Monatsmittel für den wärmsten Monat einen wichtigen Abschnitt, südlich von deren Verlauf die Vegetation nicht mehr dieses wichtige Durchschnittsmaß von Belaubungswärme für Holzgewächse erhält.
Die Temperaturlinien zeigen daher die verschiedenartigen Beziehungen von Kälte und Wärme zu den Vegetationszonen; bald sind es Extreme des einen, bald des anderen, das Fehlen des einen oder des anderen Faktors, die Größe der Wärmeschwankung überhaupt endlich, die bestimmend auf das Pflanzenkleid und die Kulturfähigkeit einwirken. Dazu kommt noch die Verteilung der Menge und Andauer der Niederschläge in ihrer zwingenden Gewalt für die Vegetation als entscheidend in denjenigen Breiten, wo höhere Sommertemperatur Regel ist, und verwandelt bei zunehmender Unregelmäßigkeit die Waldländer in solche mit erst reichem, dann öder werden dem Steppengraswuchs oder Dornengesträuch und Trockenheit liebender Fels= und Sandflora, endlich in ausgeprägte Wüsten, in denen selbst auf vereinzelte Strecken von der Länge einer Tagereise das menschliche Auge so gut wie nichts von Vegetation bemerken kann, obwohl viel häufiger die schwächeren Formen einer Wüstensteppenbildung sich finden, die niemals eines eigenartigen Pflanzenwuchses (bald von Salzkräutern, Wermut oder Dorngesträuch, bald von einzelnen Rasen trockenharter Steppengräser und aromatische oder milchender oder sukkulenter Stauden) entbehren.
Eine genaue Darlegung der Vegetationszonen und der in ihren gebotenen Anbauverhältnisse von Nutzpflanzen giebt daher vom Norden zum Süden folgendes Bild: 1) Der Nordsaum der Alten und Neuen Welt, mit Ausschluß der norweg. Nordwestküste, nimmt die kulturlose arktische Vegetationszone von Stauden, kriechenden Halbsträuchern Gräsern. Moosen und Flechten ein, deren Pflanzenwuchs weidenden Tieren noch spärlichen Unterhalt zu gewähren vermag (Moschusochse und Renntier), aber in diesen Breiten bei weitem übertroffen wird durch die organische Leistung de Meeres, in dem mächtige Tange (Agarum, Laminaria, Fucus) wachsen und sogar im Winter während der Polarnacht fruktifizieren. An der Grenze des Waldlandes zeigt Island, was die günstigsten Teile dieser Zone für den menschlichen Unterhalt zu gewähren vermögen durch Graswuchs und höhere Stauden; in den höchsten Breiten sind noch immer Blütenpflanzen, unter deren der arktische Mohn, die Dryas, Steinbreche (Saxifraga) und Kreuzblütler (z.B. Draba) mit Gräsern und Seggen hervorragen.
2) Südlich der Baumgrenze, die von ähnlichen Arten der Birken, Lärchen, Lärchentannen, Kiefern und Fichten in Kola, Sibirien und Canada gebildet wird, erstreckt sich die nördl. Vegetationszone immergrüner Nadelwälder und sommergrüner Laubbäume, zugleich diejenige saftiger Gras= und Moorwiesen und reicher Staudenformationen mit bevorzugter Blütezeit von Mai bis Juli. Dieses große und wechselvolle Gebiet bildet zugleich die nördl. Vegetationszone einjähriger (oder vom Herbst bis Sommer des nächsten Jahres vegetierender halb zweijähriger) Sommercerealien mit Erntezeit vom Juli bis September, und es zerfällt in drei ausgesprochene, von Norden nach Süden sich folgende Abschnitte: 1. Der nördlichste Abschnitt hat von Laubbäumen fast nur Birken, die Lärchen bilden weite Sumpfflächen zwischen Waldland, ein regelmäßiger Geldbau kann noch nicht stattfinden, wohl aber ist eine reichere Ausnutzung der natürlichen Bestände möglich und an geschützten Stellen Anbau von #Gerste und Hafer...