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Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

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Flores. Blüthen.

lich Oel austreten. Nelken, welche ein verschrumpftes Ansehen haben oder welche feucht sind und denen vielfach die Blüthenköpfe fehlen, sind zu verwerfen, da sie, wahrscheinlich durch Destillation, schon ihres Oeles beraubt sind. Schüttet man Nelken in ein Gefäss mit Wasser, so müssen sie entweder ganz untersinken oder wenigstens so weit, dass nur die Köpfchen die Oberfläche berühren, während der Kelch senkrecht nach unten hängt. Ihres Oeles beraubte Nelken thun dies nicht. Geruch und Geschmack ist kräftig gewürzhaft, letzterer brennend und scharf. Bestandtheile. Aeth. Oel 16-20 % (s. Ol. caryophyllorum), zwei kampherartige Körper, Eugenin und Caryophyllin; ferner Nelkensäure (im äth. Oel) und Gerbstoff.

Anwendung. Medizinisch werden sie als anregendes und magenstärkendes Mittel, vielfach als Zusatz zu Tinkturen und sonstigen Mischungen benutzt. Sie bilden ferner einen Bestandtheil verschiedener Mundwasser, aromatischer Kräuter etc. Ihre Hauptverwendung haben sie als Speisegewürz. Die Nelken gehören zu den ältesten bekannten Gewürzen; sie wurden schon lange vor der Entdeckung des Seeweges nach Ostindien durch die Araber nach Europa gebracht. Als später die Portugiesen ihre Eroberungszüge nach Ostindien unternahmen, lernte man in den Molukken oder Gewürzinseln, die eigentliche Heimath des Baumes kennen. Die Portugiesen und ihre späteren Besitznachfolger, die Holländer, machten den Nelkenhandel zu einem Regierungsmonopol; sie gingen sogar so weit, einen Theil der Pflanzungen zu vernichten, um die Produktion zu verringern und den Preis dadurch zu erhöhen. Später gelang es den Franzosen, den Baum nach ihren Besitzungen auf Bourbon und Mauritius, wie auch nach Cayenne in Südamerika zu verpflanzen. Noch später begann der Anbau auf Zanzibar, dessen kolossale Produktion, 3-4 Millionen kg jährlich, heute den Weltmarkt beherrscht und die Preise ungemein herabgedrückt hat. Die Kultur geschieht in eigenen Pflanzungen, sog. Parks. Der Baum wird im 8. bis 10. Jahre tragfähig, liefert dann einen jährlichen Ertrag von 2-3, selbst bis zu 10 kg. Die Kelche der Knospen sind anfangs gelb, werden später roth, dann mit den ganzen Blüthenständen abgepflückt und auf Bastmatten im Schatten getrocknet. Die für den Export bestimmten werden einem schwachen Rauchfeuer ausgesetzt, bis sie gebräunt sind, und dann von den Stielen befreit.

Als Handelssorten unterscheidet man hauptsächlich: Ostindische, Molukken- oder englische Kompagnie-Nelken, gewöhnlich nach der Hauptinsel der Molukkengruppe Amboina benannt. Sie sind hell, voll, sehr reich an ätherischem Oel, sind die grösste und am

^[Abb:Fig. 120. f Blüthenknopf (alabaster) von Caryophyllus aromáticus. Natürl. Gr. 2. Längendurchschnitt des Blüthenkopfes, vergr. a der 4 theil. Kelch, c Blumenkrone, s Staubfäden, st Griffel, l Fruchtknoten, r Fruchtblätter (carpophylla), h Unterkelch (hypanthium).]