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Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

Schlagworte auf dieser Seite: Feigen; Fructus caricae

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Fructus. Früchte.

Fructus caricae.

Feigen.

Ficus carica. Urticéae. Orient, Nordafrika und Südeuropa.

Die Feigen sind keine echten, sondern nur Scheinfrüchte; in Wirklichkeit ist das, was hier Frucht genannt wird, nur der fleischig gewordene Blüthenboden. Auf diesem sitzen im Anfang die verschwindend kleinen Blüthchen, allmälig wird er immer fleischiger und durch die Ueberwucherung der Ränder schliesst er sich zuletzt fast vollständig, so dass die kleinen Nüsschenfrüchte eingeschlossen werden und im Innern der Scheinfrucht ausreifen. Die Feigen sind frisch von der Form und auch von der Grösse einer gewöhnlichen Birne, wenn reif, von braungrüner oder braunvioletter Färbung. Die unreifen, grünen Feigen enthalten gleich den Blättern und Zweigen des Baumes einen weissen, scharfen Milchsaft. Dieser verschwindet während der Reife und macht einem grossen Zuckergehalt Platz. Die reifen Feigen werden so ausgebreitet, dass sie sich nicht berühren, und entweder an der Luft oder durch künstliche Wärme so weit getrocknet, als dies bei einem so zuckerreichen Fleisch möglich ist. Sie erscheinen nun graugelb, meist von einer weisslichen, krümeligen Masse, aus Traubenzucker bestehend, bedeckt. Bei älteren Feigen wird dieser Ueberzug der Sitz von zahllosen kleinen Milben, welche sich von demselben nähren. Geruch eigenthümlich süss; Geschmack sehr süss.

Bestandtheile. 60-70% Frucht- oder Traubenzucker.

Anwendung. Medizinisch sehr selten; innerlich früher als Zusatz zu verschiedenen Brustthees; äusserlich noch hier und da als erweichendes Mittel bei Zahngeschwüren. Ihre Hauptverwendung finden sie auch bei uns als Leckerei.

Die Früchte des wilden Feigenbaumes sind ungeniessbar; nur die des kultivirten, von welchem zahllose Spielarten existiren, können benutzt werden.

Von den verschiedenen Handelssorten kommen für Deutschland hauptsächlich folgende in Betracht.

Smyrna- oder Tafelfeigen, gross, saftig, süss; die besten in Schachteln (Trommeln) oder Kistchen verpackt.

^[Abb:Fig. 135. Scheinfrucht von Ficus carica. a Vertikaldurchschnitt der unreifen Scheinfrucht. Derselbe zeigt die Höhlung und den engen nach aussen mündenden Kanal, überall mit Blüthen besetzt. b die gereifte Frucht, fast in natürlicher Grösse. c männliche, d weibliche Blüthe, der unreifen Frucht entnommen, beide stark vergrössert.]