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Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

Schlagworte auf dieser Seite: Leinsamen; Muskatnüsse; Sémina lini; Sémina myrísticae

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Semina. Samen.

eine Art von eitriger Entzündung hervorgerufen wurde. Dieselbe soll von eigenthümlichen Bakterien herrühren, die sich im Aufguss bilden. Von anderer Seite wurde aber alsbald vor dieser sehr gefährlichen Anwendung gewarnt.

Neuerdings ist es gelungen ein Alkaloid aus den Samen herzustellen. Es ist dies das Abrin, ein bräunlich gelbes, in Wasser lösliches Pulver. Es ist ein ungemein giftiger Eiweisskörper, welcher, wie das Ricin, in die Klasse der sogenannten ungeformten Fermente gehört. Nach Mittheilungen von Prof. Kobert in Dorpat ist die tödtliche Dosis für das Kilogramm Körpergewicht bei unmittelbarer Einführung in die Blutbahnen 0,00001 g. Die ausserordentliche Giftigkeit dieses Körpers bedingt die grösste Vorsicht, sowohl bei der Aufbewahrung wie bei der Anwendung des Abrins.

Sémina lini.

Leinsamen.

Linum usitatíssimum. Linéae. Mittelasien, jetzt überall kultivirt.

Samen plattgedrückt, länglich eiförmig, 3 mm lang, 2 mm breit, glänzend, hellbraun, von einer farblosen Schleimschicht umgeben, die sich beim Einweichen in Wasser löst. Geruch schwach; Geschmack süsslich, schleimig.

Bestandtheile. Fettes Oel (s. d.) 25-30 %; Schleim 15 % etc. Die Presskuchen, Placenta lini, liefern gepulvert die Farina lini. Etwaige Verfälschungen dieses Präparates mit Mehlabfällen, Kleie etc. erkennt man durch Jodwasser. Bläuung lässt Mehlzusatz erkennen.

Anwendung. Innerlich im Aufguss als schleimiges, reizlinderndes Mittel, bei Husten, Gonorrhöe etc.

Farina lini äusserlich zu erweichenden Breiumschlägen.

Sémina myrísticae oder Nuces moschátae.

Muskatnüsse.

Myrística moscháta, M. fragrans. Myristicéae. Molukken, jetzt kultivirt in Ost- und Westindien, Brasilien und einigen afrikanischen Inseln.

Oben genannte Bäume liefern uns neben einigen andern, minder wichtigen, theils baum-, theils strauchartigen Myristiceen, die Nuces moschátae und die sog. Muskat- oder Macisblüthe.

Die Myristicafrucht ist eine Steinfrucht, kugelig eiförmig, einsamig, mit seitlicher Naht versehen, gelblich-roth und mit Seidenhaaren bedeckt. Das derbe Fruchtfleisch wird später trocken und öffnet sich bei der Reife mit 2-4 Klappen. Unter denselben liegt der frisch rothe, später orangefarbige, lederartige Samenmantel, Arillus, der in verschiedene Lappen geschützt ist und als Macis oder Macisblüthe in den Handel kommt. In diesem Arillus liegt locker eingebettet die braune, zarte und glänzende Steinschaale, welche wiederum die eigentliche Muskatnuss (richtiger