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Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

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Eingedickte Pflanzensäfte und Pflanzenauszüge.

nur wenig und zugleich schlechte Waare; die gute südrussische gelangt nur selten in den deutschen Handel. Das Verfahren ist meistens ein ziemlich primitives; die Wurzel wird grob zerschnitten, mittelst Walzen zerquetscht oder zerstampft und über freiem Feuer in grossen Kesseln ausgekocht. Diese Abkochung wird abgepresst, durchgeseiht und über freiem Feuer ausgedampft, zuletzt unter beständigem Rühren, bis die Masse eine solche Konsistenz erlangt hat, dass sie nach dem Erkalten hart wird. Dann wird das Feuer entfernt und die halberkaltete Masse in mehr oder weniger dicke Stangen gepresst, welchen bei guten Sorten an einem Ende die Fabrikmarke (meist der Name des Besitzers) aufgedrückt wird. Die Stangen sind sehr verschieden dick und lang; von Fingerlange an bis zu 15 cm und von ½-2 cm Dicke. Die calabrischen Sorten, welche am höchsten geschätzt werden, sind die grössten; von diesen sind namentlich die Marken Barracco, Cassani, Mastucci beliebt. Spanien liefert eine etwas kleinere Form; doch sind die dort herstammenden Sorten, mangelhafter Behandlung wegen, von brenzlichem Geschmack. Die französischen Fabriken liefern meistens kleine, dünne Stengelchen, von denen 100 auf 1 kg gehen, und verpacken dieselben kiloweise in Pappkartonnagen, während die Italiener und Spanier ihre Waare, zwischen Lorbeerblätter verpackt, in Kisten von 75-100 kg versenden. Der russische Lakritzen ist ebenfalls in Kisten, jedoch in Eichenblättern verpackt. Aus Bayonne (Frankreich) kommt vielfach imitirter Barracco in den Handel; jedoch sind die Stangen kleiner und mehr plattgedrückt als der echte. Guter Lakritzen muss von ausgeprägt süssem, reinem, hinterher ein wenig kratzendem, jedoch nicht brenzlichem Geschmack sein und bei raschem Biegen der Stange mit glatten, scharfen Rändern brechen; der Bruch ist tiefschwarz und blank. In Wasser löst er sich, selbst wenn er ganz unverfälscht ist, nur zu ca. 80% auf. Der Rückstand, welcher aus Wurzelfasern, Stärkemehl, Kalk, Magnesia und Thonerdesalzen besteht, steigt bei schlechten Sorten oft bis zu 50 %. Die klare Lösung besteht aus Extractivstoffen, Glycyrrhizin und 10-15 % Krümelzucker.

Prüfung. Sie kann nur eine ziemlich oberflächliche sein. Geruch, Geschmack, Farbe und Bruch geben meist die besten Kriterien. Endlich noch die Bestimmung der unlöslichen Bestandtheile. Hierfür gilt als Regel, dass ein guter Lakritzen nicht über 25% und wiederum nicht unter 15% derselben enthalten darf. Ist das letztere der Fall, so kann man bestimmt annehmen, dass der Lakritzen mit Dextrin, Stärkezucker und ähnlichen Stoffen verfälscht ist. Die Bestimmung der unlöslichen Bestandtheile lässt sich mit ziemlicher Genauigkeit, wie vergleichende Versuche gezeigt haben, ohne Filtriren, Trocknen und Wägen des Rückstandes nach folgender Methode ausführen. Man löst 8 Gramm Lakritzen in 30-40 g destillirtem Wasser, giebt die Lösung in einen graduirten Cylinder, verdünnt bis zu 50 ccm und lässt 12 Stunden absetzen. Jeder ccm trüber Flüssigkeit zeigt 1 % Unlösliches an.