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Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

Schlagworte auf dieser Seite: Acidum sulfúricum; Schwefelsäure

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Chemikalien unorganischen Ursprungs.

Er muss gut getrocknet in fest schliessenden Gefässen aufbewahrt werden.

Anwendung. Medizinisch wird der Schwefel innerlich als gelinde abführendes Mittel, namentlich bei Hämorrhoidalleiden, ferner als gelinde reizendes Mittel bei katarrhalischen Leiden (Zusatz zum Pulv. liquir. comp.) benutzt; für diese Zwecke verwendet man nur Sulfur lotum und S. praecipitatum. Aeusserlich braucht man ihn in Salbenform gegen Krätze und Hautausschläge. Ueberhaupt gilt er als ein Gift für die kleinen thierischen und pflanzlichen Parasiten; so wird er z. B. vielfach zum Bestäuben der Rosen und Weinstöcke gegen den Schimmel derselben angewandt; auch gegen die Reblaus ist er empfohlen. Technisch findet der Schwefel eine sehr grosse Verwendung zur Bereitung von Schiesspulver und anderen Zündrequisiten; ferner zu Feuerwerkskörpern, zum Bleichen und Desinfiziren (durch die beim Verbrennen entstehende schweflige Säure), zur Bereitung von Schwefelsäure etc. etc.

Von den Verbindungen des Schwefels mit Sauerstoff (siehe chemische Einleitung) sind die schweflige Säure und vor Allem die Schwefelsäure, in ihren verschiedenen Formen äusserst wichtige Handelsartikel, die auch für den Drogisten eine grosse Bedeutung besitzen.

Acidum sulfúricum. +

Schwefelsäure.

Im Handel sind eine ganze Reihe verschiedener Schwefelsauren gebräuchlich, deren Gehalt an dem Anhydrid resp. dem Hydrat derselben, ebenso wie ihre Reinheit, sehr verschieden ist. Leider ist es der Technik bisher noch nicht gelungen, die unberechenbaren Mengen an Schwefelsäure, welche in der Natur im schwefelsauren Kalk aufgespeichert sind, direkt zu gewinnen, da sie sich, als die stärkste aller flüchtigen Säuren, durch keine anderen verdrängen lässt; nur durch feuerfeste Säuren, wie Borsäure, Kieselsäure und Phosphorsäure, lässt sie sich aus ihren Verbindungen mit Alkalien oder alkalischen Erden in der Glühhitze austreiben. Diese Möglichkeit hat aber mehr eine theoretische als praktische Bedeutung. Anders verhalten sich die Verbindungen der Metalloxyde mit der Schwefelsäure; diese geben in der Glühhitze, unter Zurücklassung von Metalloxyd, die Schwefelsäure frei und auf dieser Erkenntniss beruht die älteste Methode der Darstellung der sog. Nordhäuser oder rauchenden Schwefelsäure, die noch heute, namentlich in Böhmen, ausgeübt wird. Zu den bisher gebräuchlichen Handelssorten der rauchenden, der englischen und der chemisch reinen Schwefelsäure ist neuerdings auch das Anhydrid derselben getreten, welches zu verschiedenen chemischen Fabrikationen benutzt wird.

Ein neues Verfahren zur Darstellung von Schwefelsäure wird angeblich von Carl Polony in Wien (Journ. Pharm. d'Anvers 1888, 373) praktisch ausgeführt. Dasselbe soll darin bestehen, dass schwefelsaurer Kalk einige Stunden auf Temperaturen zwischen 600-1500° C. erhitzt wird, worauf