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Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

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Chemikalien unorganischen Ursprungs.

Salzes erkannte, benutzte man die natürlich vorkommende Borsäure (s. d.), um durch Sättigen mit Natroncarbonat den Borax künstlich herzustellen. Nachdem bei dem immer steigenden Bedarf auch diese Quellen nicht mehr ausreichten, ging man dazu über, die Borsäure aus anderen Mineralverbindungen, wie sie in der Natur vorkommen, abzuscheiden und dann wie oben auf Borax zu verarbeiten. Hierzu dienten anfangs namentlich die im Stassfurter Salzlager vorkommenden Borsäureverbindungen, Boracit (Calciumborat) und Stassfurtit (Magnesiumborat), die jährlich etwa 100,000 Ctr. Borax liefern. Weit wichtiger aber wurde die Entdeckung mächtiger Lager erdigen Borkalks, auch wohl Borkreide genannt, welche man in Chile und zwar in den chilenischen Cordilleren, an der Westküste Amerikas, in Neuschottland, Kleinasien und Californien auffand. Dieser Borkalk, ein Gemenge von Kalkborat und Natronborat, verunreinigt durch viele andere Bestandtheile, namentlich schwefelsauren Kalk, Kieselsäure etc., liefert uns heute das Hauptmaterial für die Boraxfabrikation. Theils wird gleich im Ursprungslande, z. B. im chilenischen Küstenplätze Caldera, Borsäure daraus hergestellt, theils wird das Rohmaterial in ganzen Schiffsladungen nach England und Hamburg importirt, um dort weiter verarbeitet zu werden.

In allerneuester Zeit hat man angefangen, den Borkalk nicht erst auf Borsäure zu verarbeiten, sondern ihn direkt durch Kochen mit starker Natriumcarbonatlösung aufzuschliessen. Es entsteht hierbei unlösliches Calciumcarbonat und Natriumborat kommt in Lösung, allerdings neben einigen anderen oft recht störenden Umsetzungsprodukten (Natriumsulfat etc. etc. ), von denen der Borax durch ein- oder mehrmaliges Umkrystallisiren gereinigt werden muss. Um hierbei möglichst grosse, nicht zu sehr in Krusten vereinigte Krystalle zu erzielen, wird die Lauge bis auf ca. 21-22° Bé. abgedampft und dann in hölzerne, meist innen mit Blei ausgelegte, mit einem Deckel verschliessbare Kufen gebracht, worin sie sehr langsam erkaltet. Das vollständige Auskrystallisiren erfordert, je nach der Grösse der Kufen, 3-4 Wochen Zeit.

Der so gewonnene Borax ist der gewöhnliche sog. prismatische Borax und nach der oben angegebenen Formel zusammengesetzt. Er enthält 47 % Krystallwasser. Ausser diesem kommt noch eine andere Form, der sog. oktaedrische oder Juwelier-Borax mit nur 30 % Krystallwasser im Handel vor. Um ihn herzustellen, wird die Boraxlauge auf eine Stärke von 30-32° Bé. gebracht und die Krystallisation dann bei einer Temperatur von 50-80° C. vorgenommen. Es entstehen hierbei dichte Krusten, deren einzelne Krystalle nach dem oktaedrischen System gebildet sind. Sie verwittern nicht, sind härter als der gewöhnliche Borax, ziehen aber in feuchter Luft Wasser an und werden dadurch trübe.

Anwendung. Medizinisch nur selten innerlich, häufiger dagegen äusserlich zu kosmetischen Waschmitteln. Borax wirkt in kleinen Mengen antiseptisch und wurde deshalb früher vielfach zu allerlei Konservirungs-^[folgende Seite]