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Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

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Chemikalien organischen Ursprungs.

Aetzkali und Rektifikation des abgeschiedenen Chloroforms über Chlorcalcium (Chloroformium ex chloralo), oder man mischt 100 Th. Chlorkalk (25 %) mit 300 Th. lauwarmem Wasser, giebt in eine Destillirblase und lässt allmälig 20 Th. Alkohol zufliessen. Es tritt so starke Erhitzung ein, dass die Destillation von selbst beginnt, erst später wird nachgefeuert, so lange noch Chloroformtropfen mit dem Wasser übergehen. Das gesammelte Chloroform wird zuerst mit Kalkwasser, dann mit Schwefelsäure gewaschen, zuletzt über geschmolzenem Chlorcalcium rektifizirt. In neuerer Zeit wird auch durch die Einwirkung von Chlorkalk auf Aceton (s. d.) Chloroform dargestellt.

Die Ueberführung von Aceton in Chloroform durch die Einwirkung von Chlorkalk ist eine so energische und heftige, dass dabei nicht nur stets ein Verlust an Chloroform stattfindet, sondern auch das erhaltene Chloroform durch unzersetzt überdestillirendes Aceton verunreinigt wird. Um dies zu vermeiden, sind die Destillirgefässe aufrechtstehende Cylinder, in welche die Mischung von Chlorkalk und Wasser von oben aus eingeführt wird, während das mit Wasser verdünnte Aceton von unten her eingepumpt wird, so dass diese Lösung die Chlorkalkmischung langsam und bei einer Temperatur durchströmt, bei der die Zersetzung so vollständig vor sich geht, dass bis zur Beendigung des Prozesses kein unzersetztes Aceton zur Oberfläche gelangt. Das Verhältniss, in dem beide Mischungen eingeführt werden, um die möglichst grösste Menge Chloroform zu gewinnen, ist Fabrikationsgeheimniss. Nach der Theorie und unter Zugrundelegung der Aequivalentzahlen geben 116 Th. Aceton und 429 Th. Chlorkalk eine Ausbeute von 239 Th. Chloroform, 148 Th. Kalkhydrat und 158 Th. Kalkacetat, oder 100 Th. Aceton sollen theoretisch ergeben 206 Th. Chloroform, in Wirklichkeit aber werden nur 180 bis 186 Th. erhalten.

Anwendung. Selten innerlich in ganz kleinen Gaben, meist in Dunstform eingeathmet als Betäubungsmittel, äusserlich oft mit Oel gemengt zu Einreibungen gegen rheumatische und neuralgische Schmerzen; technisch wird es zuweilen zum Lösen von Kautschuk oder Guttapercha verwandt.

Das Chloroform des Deutschen Arzneibuches ist dem Sauerwerden nicht mehr derartig ausgesetzt wie das frühere, schwerere und vollkommen alkoholfreie. Dieses zersetzte sich am Tageslicht allmälig unter Säurebildung; ein derartig in Zersetzung begriffenes Chloroform soll beim Einathmen sehr gefährlich wirken; schon ein Zusatz von 1/2% Alkohol hindert eine solche Zersetzung. Immer aber wird es gut sein, das Chloroform an kühlem, dunklem Orte in gut verschlossenen Gefässen aufzubewahren.

Es ist neuerdings durch Anwendung sehr hoher Kältegrade gelungen, das Chloroform zum Krystallisiren zu bringen und es dadurch von allen beigemengten Verunreinigungen zu befreien. Diese nach dem Erfinder der