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Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

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Chemikalien organischen Ursprungs.

diese Versuche bis jetzt nur einen theoretischen, aber keinen praktischen Werth.

Der Aethylalkohol kommt nur zum allerkleinsten Theil in reinem, der obigen Formel entsprechendem Zustande in den Handel, fast immer ist er mehr oder weniger wasserhaltig. Man pflegt gewöhnlich nur die reine, absolut wasserfreie Waare mit Alkohol oder Alkohol absolutus zu bezeichnen, während Mischungen von 80-95 % Gehalt, mit Sprit oder Spiritus (vini), Weingeist, bezeichnet werden. Mischungen von 50 % und darunter pflegt man Branntwein zu nennen, eine Bezeichnung, die, weil von gebranntem Wein herstammend, in Wirklichkeit nur dem Cognac und ähnlichen, aus dem Wein hergestellten Spriten zukommt.

Selten pflegen die verschiedenen Alkoholmischungen gänzlich frei zu sein von anderen, aus der Bereitung herrührenden Stoffen. Theils sind es Spuren von Aldehyd, theils andere, schwerer siedende Alkohole, die sog. Fuselöle, theils Säuren oder durch diese entstandene Aether. Oft müssen diese Beimengungen durch besondere Reinigungsprozesse und durch Rektifikation entfernt werden, oft aber sind gerade diese minimalen Beimengungen von Aethern etc. ungemein wichtig für die Werthschätzung der Waare. Wir erinnern an Rum, Cognac, Arrac.

Die Hauptmaterialien für die Bereitung des Sprits im Grossen sind in den europäischen Ländern das Korn, unter diesem der Roggen, dann vor Allem die Kartoffeln, welche die weitaus grössten Mengen liefern. Die Darstellung zerfällt, abgesehen von der später erfolgenden Reinigung, in zwei in sich abgeschlossene Manipulationen, "der Gährung", d. h. der Umwandlung des Stärkemehls resp. Zuckers in Alkohol und "der Destillation", d. h. der Abscheidung des gebildeten Alkohols aus den Gährungsflüssigkeiten.

Die erste Operation, gewöhnlich das "Maischen" genannt, ist natürlich verschieden nach den Rohmaterialien, welche gemaischt werden sollen. Sind es Cerealien, so werden diese zuerst erweicht, dann gequetscht, mit mäßig warmem Wasser zu einem Brei angerührt und mit einem Zusatz von Malzauszug versetzt. Die Diastase (ein Ferment) des Malzes wandelt das Stärkemehl in Zucker um. Nach vollendeter Umwandlung, die mittelst der Jodprobe konstatirt wird, setzt man Hefe zu und in der nun eintretenden Gährung zerfällt der Zucker in Kohlensäure und Alkohol, und zwar 1 Molekül Zucker in 2 Moleküle Alkohol und 2 Moleküle Kohlensäure. Werden Kartoffeln angewandt, so verfährt man folgendermaßen: die gewaschenen Kartoffeln werden mittelst Dampf gar gekocht, dann auf eigenen Apparaten fein zerquetscht und mittelst mäßig warmen Wassers in einen gleichmäßigen Brei verwandelt, der nun wie oben mit Malz, nachher mit Hefe behandelt wird. Neuerdings hat man hier und da angefangen, die Umwandlung des Stärkemehls der Kartoffeln nicht durch Malz, sondern durch Kochen mit verdünnter Schwefelsäure zu bewirken und dann die freie Schwefelsäure durch Kalk zu neutralisiren. Sobald die ganze Maische,