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Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

Schlagworte auf dieser Seite: Franzbranntwein; Spiritus vini Gallicus

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Chemikalien organischen Ursprungs.

schmolzenem, also wasserfreiem Chlorcalcium oder mit Aetzkalk behandelt und bei der Rektifikation nur etwa 4/5 abzieht.

Prüfung. Man stellt sich durch Erwärmen ein wenig völlig wasserfreien Kupfervitriol her und übergiesst das entstandene, fast weisse Pulver mit dem zu prüfenden Alkohol. Ist er wirklich absolut (1 % Wasser kommt nicht in Betracht), so bleibt das Pulver unverändert; ist der Wassergehalt stärker, so wird das Pulver blau, weil es das überschüssige Wasser bindet und wieder zu blauem Kupfersulfathydrat wird.

Anwendung. In der Photographie; zum Verschneiden der äth. Oele, da er sich mit diesen in jedem Verhältniss klar mischt.

Spiritus vini Gallicus.

Franzbranntwein.

Unter dem Gesammtnamen Franzbranntwein versteht man jeden aus Wein, Weintrestern und sonstigen Weinabfällen durch Destillation gewonnenen Sprit. Er wird übrigens nicht nur, wie der Name sagt, in Frankreich, sondern namentlich auch in Spanien in grossen Massen fabrizirt. Seine Qualität ist je nach den angewandten Materialien und der Art des Weines ungemein verschieden. Einzelne Sorten haben, namentlich wenn sie erst gelagert, einen sehr feinen, lieblichen Geruch und einen trotz des ziemlich starken Alkoholgehaltes milden Geschmack. Die weitaus geschätzteste Sorte ist der Cognac, genannt nach dem gleichnamigen Orte im Departement Charente. Er ist frisch ebenso farblos wie jeder "andere Sprit, wird aber durch Lagern in eichenen Fässern allmälig gelb, zugleich aber auch dabei von kräftigerem Arom. Leider ist nur der wenigste Cognac des Handels echt, selbst wenn er aus Frankreich stammt. Sehr viel wird er auch dort einfach durch Destillation von gutem Kartoffelsprit über Weintrester und Weinhefe, sog. Drusen, fabrizirt und die gelbe Farbe des Alters durch Zuckerkulör hergestellt. Neuerdings wird auch am Rhein ein deutscher Cognac von vorzüglicher Qualität gewonnen. Ein anderer sehr kräftig riechender Weinsprit, der auch bei uns in Deutschland vielfach zum Verschneiden benutzt wird, ist der sog. Armagnac.

Wenn der Franzbranntwein nicht als Cognac zu Trinkzwecken verkauft wird, sondern, wie dies vielfach geschieht, zu Einreibungen, Kopfwaschungen etc., so genügt wohl vollständig ein selbst bereiteter, künstlicher Franzbranntwein, den man durch Parfümiren eines reinen Sprits von 60° mit etwas Cognacessenz und Gelbfärben mit etwas Zuckerkulör herstellt.

Die Unterscheidung des echten Cognacs von sog. Faconwaare, d. h. künstlichem Cognac aus Sprit, Wasser und Essenz, ist, wenn diese Mischung abgelagert, nicht immer ganz leicht. Die Verdunstungsprobe mit heissem Wasser führt bei einiger Uebung immer noch am besten zu einem Resultat.