Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

609

Chemikalien organischen Ursprungs.

eine geringe. Die Milch enthält 3-6 % Milchzucker, der sich nach Abscheidung des Fettes und des Käsestoffes in den Molken aufgelöst vorfindet. Aus diesen, jedoch nur aus süssen Molken lässt sich derselbe darstellen. Da die Gewinnung des Milchzuckers immer nur als Nebenproduktion der Milchwirthschaft betrieben werden kann, ist sie überhaupt nur in den Gegenden möglich, wo bei einer ausgedehnten Milchwirthschaft eine Süsskäsefabrikation betrieben wird, d. h. wo der Käsestoff nicht durch saure Gährung, sondern durch Laab (Kälbermagen) aus der süssen Milch abgeschieden wird. Diese Bedingungen treffen im ausgedehntesten Maaße in der Schweiz zu und hier wird auch die Fabrikation von Alters her, zum Theil noch heute in sehr primitiver Weise betrieben. Man verfährt in der Weise, dass man die abgeschiedenen klaren Molken in offenen Kesseln über freiem Feuer bis zu einem gewissen Grade eindampft und dann in hölzernen Gefässen, durch die entweder Wollfäden gespannt, oder hölzerne Stäbe eingehängt sind, zum Erkalten bei Seite stellt. Hierbei scheidet sich der Milchzucker an den Wandungen des Gefässes in dicken, harten Krusten oder um die Fäden und Stäbe in dichten Krystalldrusen aus. Die Krystallmassen erscheinen bei den Stäben immer keulenförmig, an dem einen Ende weit dicker als an dem anderen; dies hat darin seinen Grund, dass durch die Auskrystallisation die oberen Schichten der Flüssigkeit immer armer an Milchzucker werden. Bricht man eine solche Krystalldruse durch, so zeigt sich deutlich eine vom Mittelpunkt aus strahlenförmig angeordnete Krystallisation. Dieses so gewonnene erste Produkt ist immer noch sehr unrein und muss durch ein- oder mehrmaliges Umkrystallisiren gereinigt werden. Neuerdings fängt man in den grösseren Fabriken auch schon an, das Abdampfen im Vakuum vorzunehmen.

Der Milchzucker bildet mehr oder weniger weisse, in gänzlich reinem Zustande völlig farblose Krystalle (rhombische Prismen), die sehr hart, zwischen den Zähnen sandig knirschen und von schwach süssem Geschmack sind. Seine Löslichkeit ist bedeutend geringer als die des Rohrzuckers, da er drei Theile siedendes und sieben Theile kaltes Wasser zu seiner Lösung bedarf. In Weingeist, Aether und Chloroform ist er vollkommen unlöslich; er wird sogar aus starken wässerigen Lösungen durch Weingeist ausgefällt.

Der Milchzucker ist weit schwerer als die anderen Zuckersorten gährungsfähig; er bildet auch nicht wie diese bei der Gährung Alkohol und Essigsäure, sondern sofort Milchsäure.

Guter Milchzucker muss möglichst weiss sein, von schwach süssem Geschmack und ohne jeden Geruch. Ein säuerlich-ranziger Geruch zeigt an, dass zu seiner Darstellung auch saure Molken verwendet sind.

Anwendung findet er fast nur in der Medizin, namentlich in der Homöopathie zum Verreiben der Mischungen. Ferner als Zusatz zur Kuhmilch bei Säuglingen, da die Kuhmilch einen weit geringeren Zuckergehalt hat als die Frauenmilch.