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Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

Schlagworte auf dieser Seite: Manna

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Chemikalien organischen Ursprungs.

Manna. **

Manna.

Fráxinus ornus. Oleinéae. Südeuropa. Calabrien, Sicilien, griechische Inseln; kultivirt.

Manna ist der an der Luft erhärtete Saft der kultivirten Mannaesche (wilde sollen keine Manna liefern). Man verfährt in der Weise, dass man während der trockenen Jahreszeit, etwa vom Juni bis Oktober, künstliche Einschnitte durch die Rinde des Stammes macht, oder dass man, dicht über der Erde beginnend, allmälig immer höher hinauf ritzt. Der austretende Saft ist klar, flüssig, erhärtet aber während der Nacht und wird am anderen Morgen gesammelt. Regen und feuchtes Wetter können die Ernte sehr beeinträchtigen.

Man unterscheidet im Handel 2 Sorten. Manna cannellata, Röhrenmanna. Diese soll aus den Einschnitten des oberen Stammes und namentlich von jüngeren Bäumen gewonnen werden. Sie bildet längere oder kürzere, röhrenförmige Stücke von gelblich-weisser Farbe, auf dem Bruche, namentlich unter der Lupe, strahlig krystallinisch erscheinend, trocken, leicht zerreiblich. von mildem, rein süssem Geschmack. Sie ist, obgleich weniger stark abführend, dennoch bedeutend theurer als die folgende Sorte.

Als eine Abart der Manna cannellata kommt zuweilen Manna in lacrymis in den Handel. Diese bildet kleine, thränenförmige Stückchen, welche durch freiwilliges Ausfliessen des Saftes entstehen sollen.

Die häufigste Sorte ist die Manna in sortis, auch Manna Calabrina oder Manna Gerace genannt. Sie besteht aus mehr oder weniger zahlreichen Röhrenmannastücken, durch eine braune, schmierige Masse mit einander verklebt; häufig mit Rindenstücken und sonstigen Unreinigkeiten vermengt. Diese Sorte, medizinisch stärker wirkend, hat einen eigenthümlichen Geruch und einen süssen, nebenher kratzenden Geschmack.

Bestandtheile. Fruchtzucker 10-15%; ferner eine besondere, nicht gährungsfähige Zuckerart, Mannit bis zu 60%; geringe Mengen eines in Aether löslichen, saueren Harzes (möglicher Weise das eigentliche Purgans).

Anwendung. Nur medizinisch als gelindes Abführmittel, namentlich bei Kindern.

Mannit oder Mannazucker, C6H14O6, wird auch in reinem Zustande medizinisch angewandt und kommt daher als solches in den Handel. Es bildet ein feines, weisses, zart krystallinisches Pulver. Geruchlos und von rein süssem Geschmack. Es ist in 5 Th. Wasser, sehr leicht in kochendem, schwer in kaltem Alkohol löslich.

Das Mannit kommt übrigens auch in vielen anderen Pflanzensäften vor.