Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

614

Chemikalien organischen Ursprungs.

abfliesst, dann gequetscht und die Stärke ausgeschlemmt. Nach dem Absetzenlassen werden die oberen gefärbten Schichten entfernt, das Uebrige getrocknet und in Zinnbüchsen oder in mit Papier ausgelegten Fässern versandt. Das Pfeilwurzelmehl ist matt- aber reinweiss, knirscht sehr stark unter den Fingern und giebt mit 100 Th. heissem Wasser einen fast klaren, etwas bläulichen Schleim. Unter dem Mikroskop erscheinen die Körner rundlich oder breit eiförmig, von verschiedener Grösse (kleiner als die Kartoffelstärke), durchsichtig, mit wenig deutlichen Schichtungen, einen einfachen oder sternförmigen Riss oder Kernpunkt zeigend. Die Handelssorten werden nach den Ursprungsländern oder den Hafenplätzen, von wo sie exportirt werden, benannt, z. B. Bermuda-, St. Vincent-, Jamaica-, Barbados-, Demerara-, Sierra-Leone-, Porte Natal-Arrow Root etc.

Ostindisches Arrow Root, auch Bombay- oder Malabar-Arrow Root genannt, wird aus den Wurzelstöcken verschiedener Kurkumaarten, namentlich Curcuma angustifolia und leucorhiza gewonnen. Das Pulver ist mattweiss, knirscht bedeutend schwächer und giebt einen reinweissen Kleister. Unter dem Mikroskop flacheiförmig oder länglich, an beiden Enden einen punktförmigen Kern und von hier ausgehende kreisförmige Schichten zeigend. Kommt von Bombay und Calcutta über England in den Handel und ist bedeutend billiger als die vorige Sorte.

Brasilianisches Arrow Root oder Cassava-Stärke kommt nur selten noch als solche, sondern meist in Form durchsichtiger Klümpchen, als Tapioca-Sago in den Handel. Die Cassava-Stärke bildet ein weissgraues, mattes, feines Pulver; die Körner sind rundlich oder eckig, ohne sichtbare Schichtung, mit einfachem Kernpunkt. Sie stammt von 2 südamerikanischen Euphorbiaceen, Manihot utilissima und M. janipha. Der Saft der grossen, rübenförmigen Wurzel ist, eines starken Blausäuregehaltes halber, sehr giftig. Die Blausäure wird durch Erwärmen entfernt und da sich hierbei die Stärkekörner leicht verändern, verarbeitet man sie gewöhnlich gleich zu Sago.

Weizenstärke (Amylum tritici) wird in Deutschland, namentlich in der Gegend von Halle, in grossen Massen bereitet, theils aus Weizenmehl, theils direkt aus gequellten, hinterher zerquetschten Weizenkörnern. Im ersten Falle wird der im Mehl enthaltene Kleister gewonnen und zu Nudeln oder Maccaroni verarbeitet; im letzteren Falle sind die Abfälle nur als Schweinefutter verwendbar. Unter dem Mikroskop erscheinen die Stärkekörnchen sehr verschieden gross, theils linsen-, theils nierenförmig; Kernpunkt und Schichtungen sind nur bei sehr starker (500 facher) Vergrösserung zu erkennen. Kleister weisslich mit bläulichem Schein. Die Weizenstärke kommt entweder als Stengel- oder Krystallstärke oder mit Ultramarin gebläut als Waschstärke, seltener in Pulverform als Kraftmehl in den Handel.

Kartoffelstärke wird namentlich in Schlesien, Pommern, der Provinz Sachsen in kolossalen Quantitäten hergestellt, von denen aber die weitaus