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Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

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Chemikalien organischen Ursprungs.

troleum angestellt, doch haben die wenigsten günstige Erfolge gehabt. In Betracht kommen ausser Amerika nur die von Alters her bekannten Quellen von Baku im Gebiete des caspischen Meeres und Galiziens einigermaßen beträchtliche Produktion. Das Petroleum tritt, wenn die bedeckenden Erdschichten durchbohrt sind, anfangs - durch Gasdruck - freiwillig aus den Bohrlöchern hervor, oft in mächtigen Fontainen; später pflegt dieser Gasdruck nachzulassen und man ist genöthigt zu pumpen. Es tritt aus diesen Bohrlöcher stets gemengt mit Wasser, als grünliches, trübes und sehr stinkendes Oel zu Tage. Man lässt es zuerst in grossen Cisternen ablagern, wobei es sich ganz vom Wasser sondert und einigermaßen klärt, um es dann einer fraktionirten Destillation zu unterwerfen und eine ganze Reihe verschiedener Präparate gesondert zu gewinnen. Das rohe P. besteht nämlich neben einigen anderen Beimengungen aus einer grossen Menge von Kohlenwasserstoffen, welche alle einer und derselben Reihe angehören, jedoch von sehr verschiedenen Siedepunkten sind. Selbst die einzelnen Präparate, die man daraus darstellt, sind immer noch Gemenge verschiedener Kohlenwasserstoffe. Bei der besonders anfangs sehr vorsichtig vorgenommenen Rektifikation wird zuerst das Produkt aufgefangen, welches bis 60° übergeht; es ist dies der sog. Petroleumäther oder Naphtha, von 0,660 spez. Gewicht. Er verdunstet, auf die Hand gegossen, sofort; der Geruch ist kaum petroleumartig, namentlich wenn das Präparat, wie es für manche Zwecke geschieht, nochmals rektifizirt wird.

Anwendung findet der Petroleumäther medizinisch nur selten gegen Rheumatismus, technisch dagegen in grossen Mengen bei der Extraktionsmethode feiner Parfüms, zum Lösen von Kautschuk etc. etc. Bei seiner Aufbewahrung sowohl, wie bei seiner Anwendung, ist die allergrösste Vorsicht geboten; die Gefässe müssen nicht vollständig gefüllt und kühl aufbewahrt werden. Beim Umfüllen oder beim Arbeiten mit demselben darf niemals offenes Licht in der Nähe sein.

Das folgende bei 60-80° übergehende Destillat heisst Gasolin oder Kerosen; es dient ungefähr zu gleichen Zwecken. Jetzt folgt bei 80-120° das Petroleumbenzin. Es hat ein spez. Gewicht von 0, 685 bis 0, 710, ist, wenn gut bereitet, ziemlich geruchlos und darf auch nach dem Verdunsten keinen Geruch hinterlassen; ist dies der Fall, so sind noch Destillationsprodukte, welche bei höherer Temperatur übergegangen waren, mit demselben vereinigt. Es verdunstet bei jeder Temperatur ungemein rasch, die Verdunstungsgase sind, namentlich mit Luft gemischt, explosiv, daher ist auch bei ihm die grösste Vorsicht geboten. Petroleumbenzin ist seiner grossen Billigkeit halber ein sehr begehrtes Material in der Technik, namentlich zur Fleckenreinigung (chemische Wäscherei), dann aber auch als Extraktionsmittel der Fette (z. B. bei der Leimfabrikation) und anderer Stoffe der chemischen Industrie.

Das Destillat von 120-150°, welches leider vielfach nicht vom Benzin getrennt wird, dient unter dem Namen künstliches Terpen-^[folgende Seite]