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Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

Schlagworte auf dieser Seite: Coniin; Coniinum; Pyridin; Pyridinum

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Chemikalien organischen Ursprungs.

Sehvermögens hervor (Gelbsehen); selbst die Haut und das Weisse im Auge färbt sich gelb. Man rechnet für kleine Kinder bis zu zwei Jahren 0,03 g zwei mal täglich, für grössere 0,05 g zwei bis drei mal täglich.

Alkaloide. Organische Basen.

Pyridinum.

Pyridin.

C5H5N^[C_{5}H_{5}N].

Wenn auch die sog. Pyridinbasen keine Handelsartikel sind, welche in Drogengeschäften gehandelt werden, so haben sie doch für uns dadurch Wichtigkeit erlangt, dass sie neben dem Methyl-Alkohol das gesetzliche Denaturirungsmittel für den Spiritus geworden sind.

Neben dem reinen Pyridin der obigen Formel kommen übrigens in dem zum Denaturiren gebrauchten Pyridin noch andere Basen vor, namentlich Picolin; Lutidin und Collidin. Alle diese Körper finden sich neben Anilin in den Produkten der trockenen Destillation stickstoffhaltiger organischer Substanzen, vor Allem in dem sog. Thieröl (Ol. animál. foetid. ), wie solches durch die Destillation von Knochen erhalten wird. Aus dem Thieröl werden die in demselben enthaltenen basischen Körper mittelst schwefelsäurehaltigem Wasser ausgeschüttelt, aus dem Filtrat die Basen wieder durch Aetznatron ausgeschieden, dann aus diesem wieder das Anilin durch oxydirende Substanzen entfernt und schliesslich durch fraktionirte Destillation die Pyridinbasen soweit isolirt, wie die Zollbehörden vorschreiben.

Sie bilden eine fast farblose, ölige Flüssigkeit von sehr unangenehmem, an Thieröl erinnernden Geruch. Die wässerige Lösung reagirt alkalisch; mit Säuren bildet das Pyridin wohl charakterisirte Salze.

Medizinisch ist das reine Pyridin, in Dampfform eingeathmet, gegen Asthmabeschwerden empfohlen.

Coniinum. **+

Coniin.

C5H17N^[C_{5}H_{17}N].

Das Coniin ist im Schierlingskraut, sowie im Samen der Pflanze enthalten und wird aus diesem dargestellt, indem man einen wässerigen schwefelsäurehaltigen Auszug desselben eindampft und dann mit überschüssigem Aetzkali der Destillation unterwirft. Hierbei geht das flüchtige Coniin mit dem Wasser über und wird weiter gereinigt. Es stellt eine ölige, farblose oder schwachgelbe Flüssigkeit von durchdringendem, widerlichem Schierlingsgeruch und scharfem, brennendem Geschmack dar. Reaktion stark alkalisch, Siedepunkt zwischen 160° und 180° C. Bringt man einen, mit Salzsäure befeuchteten Glasstab in seine Nähe, so entwickelt es, gleich dem Ammoniak, weisse Dämpfe.

Das Coniin ist die erste organische Base, die man auf künstlichem Wege dargestellt hat. Es ist als ein Derivat des Piperins erkannt.