Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

Schlagworte auf dieser Seite: Chinin; Chinínum; Chinínum et ejus salia

644

Chemikalien organischen Ursprungs.

Das Alkaloid Coffein ist identisch mit dem sog. Thein und dem Guaranin. Es findet sich ausser im Kaffee (½-1 %) im chinesischen Thee (2-3 %), in der Guarana (4-5%), ferner im Paraguaythee und in den Kolanüssen (sog. Negerkaffee). In allen diesen, zu Genusszwecken dienenden Pflanzentheilen ist das Coffein das erregende Prinzip; es findet daher auch in der Medizin als nervenerregendes Mittel, namentlich bei Migräne Anwendung.

Ausser dem reinen Coffein werden heute eine grosse Reihe seiner Salze angewandt, vor Allem Coffeinum citricum, ausser diesem noch zuweilen C. sulfuricum, C. salicylicum etc. etc.

Chinínum et ejus salia. **

Chinin und seine Salze.

Von den zahlreichen Chinaalkaloiden hat nur das Chinin und dessen Salze eine medizinische Bedeutung erhalten, während die übrigen, trotz vielfach angestellter Versuche, fast keine andere als wissenschaftliche Bedeutung erlangt haben. Es ist dies für die Fabrikanten der Chininsalze ein sehr grosser Uebelstand, da der Prozentgehalt, namentlich an Cinchonin, Chinidin und Cinchonidin, oft weit grösser ist, als der an Chinin. Die englische Regierung, welche in Ostindien ihre Chinarinden auf Chinaalkaloide für den Verbrauch der Truppen selbst verarbeiten lässt, stellt aus diesen Gründen kein reines Chinin mehr dar, sondern ein Präparat, in welchem die Gesammtalkaloide vereinigt sind. In Europa ist ein solches Verfahren nirgends gebräuchlich; hier muss der Fabrikant die einzelnen Alkaloide trennen. Die Fabrikation selbst geschieht ausschliesslich in eigenen Fabriken, welche die speziellen Einzelheiten möglichst geheim halten. In rohen Umrissen ist der Gang folgender: Die Rinden werden zerkleinert, mit angesäuertem Wasser extrahirt, die in saurer Lösung befindlichen Alkaloide durch Natriumcarbonat ausgefällt und dann durch die verschiedenen Lösungsmittel derselben von einander getrennt. In neuerer Zeit hat sich ein anderes Verfahren, welches ursprünglich Geheimniss einer pariser Fabrik war, Bahn gebrochen, nämlich die Extraktion der fein zerkleinerten Chinarinde mit den schwer siedenden Oelen aus dem Braunkohlentheer. Die Ausbeute soll hierbei eine weit grössere sein.

Chinínum. **

Chinin.

C20H24N2O2^[C_{20}H_{24}N_{2}0_{2}].

Weisses, leichtes, geruchloses Pulver von sehr bitterem Geschmack und alkalischer Reaktion. Es ist löslich in 1200 Th. kaltem und 260 Th. kochendem Wasser, leicht löslich in Alkohol, in geringer Menge auch in verdünnten Alkalien, am wenigsten in Natriumcarbonat, am meisten in Ammoniak. Bei 130° schmilzt es, vorsichtig weiter erhitzt sublimirt ein kleiner Theil, rasch erhitzt verbrennt es gänzlich unter Entwickelung ammoniakalischer Dämpfe.