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Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

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Chemikalien organischen Ursprungs.

Werden Knochen verarbeitet, so entzieht man denselben bei vollkommen rationellem Betrieb zuerst das Fett. Zu diesem Behuf werden sie gröblich zerkleinert und dann das Fett in geschlossenen Apparaten mittelst Benzin extrahirt. Selbstverständlich wird das Benzin vom gelösten Fett abdestillirt und das rückbleibende Fett giebt ein gesuchtes Material für ordinäre Seifen. Die entfetteten Knochen werden hierauf mit Salzsäure ausgezogen, wodurch der phosphorsaure Kalk, der später zu Dungmaterial verarbeitet wird, in Lösung kommt, während die Knorpelmasse der Knochen in unveränderter Form zurückbleibt. Diese wird nun anhaltend gewaschen, auch mit verdünnter Kalkmilch behandelt, um die letzten Spuren von Säure wegzunehmen, und dann entweder durch Sieden mit Wasser, oder noch besser durch Einleiten von gespanntem Wasserdampf in Lösung gebracht. Die letzte Methode ist am praktischsten und wird in der Weise ausgeführt, dass in einem hohen, geschlossenen Gefäss der Knochenknorpel auf einem zweiten Siebboden geschichtet und nun durch ein Rohr der Dampf mitten in die Masse hineingeleitet wird. Der Kessel ist oben mit einem Dampfrohr versehen, durch welches der nicht kondensirte Dampf entweichen kann, unten aber mit einem Abflusshahn, durch welchen von Zeit zu Zeit die sich unter dem Siebboden ansammelnde Leimlösung abgezapft wird. Hierbei sind erfahrungsmäßig die ersten Produkte die besten, weil der Leim durch eine zu lange Einwirkung der Wärme, namentlich bei höherer Temperatur, an Klebkraft verliert. Die erhaltene Leimlösung kommt in Kufen, welche mit schlechten Wärmeleitern umgeben sind, oder die schwach erwärmt werden können, damit sie in diesem sich erst völlig klärt. Nach dem Abklären wird sie, wenn nöthig, so weit eingedampft, dass eine herausgenommene Probe beim Erkalten eine feste Gallerte bildet: dann giebt man sie in die Formen, viereckige Kasten, deren Wände vorher gefettet werden und lässt sie darin erkalten. Nach dem Erkalten wird der Gallertblock gestürzt und mit eigenen Schneidemaschinen, ähnlich den Seifenschneidemaschinen, mittelst eingespannter Drähte horizontal und vertikal in die bekannten tafelförmigen Stücke geschnitten. Diese Tafeln werden auf Hürden, in welchen ein Bindfadengeflecht siebförmig eingespannt ist, ausgebreitet und sehr vorsichtig getrocknet. Die Operation des Trocknens ist die schwierigste der ganzen Leimfabrikation, und wo nicht besonders gute Trockenböden zu Gebote stehen, ist sie nur im Frühjahr und Herbst ausführbar; denn die Temperatur darf niemals über 20° steigen, weil die Platten sonst erweichen, anderntheils darf die Luft weder zu feucht noch zu trocken werden, wenn die Güte des Produktes nicht beeinträchtigt werden soll. Gute Ventilation und ein genaues Reguliren der Temperatur sind daher die Haupterfordernisse. Sobald die Tafeln so weit erhärtet sind, dass sie bei höherer Temperatur nicht mehr erweichen, werden sie in die Trockenstube gebracht und hier, meist auf Bindfaden gereiht, völlig ausgetrocknet. Schliesslich werden sie, um ihnen ein besseres, blankes Aussehen zu