Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

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Chemikalien organischen Ursprungs.

geben, einen Augenblick in heisses Wasser getaucht und schnell wieder getrocknet.

Es ist dies in rohen Umrissen der Gang der Fabrikation, welcher sich bei allen verschiedenen Methoden gleicht; nur die Operation des Siedens ist eine sehr verschiedene. In einzelnen Fabriken werden z. B. die Knochen weder vorher entfettet, noch durch Säuren extrahirt, sondern die Leimsubstanz wird direkt im geschlossenen Gefäss unter Dampfdruck den Knochen entzogen. Hierbei schwimmt das flüssig gewordene Fett auf der abgezapften Leimmasse und wird durch Abschöpfen entfernt. Ein so hergestellter Leim soll aber wegen der bei der Fabrikation angewandten Temperatur weit weniger Bindekraft besitzen.

Zur Bereitung des Haut- und Lederleims dienen eine Menge der verschiedenartigsten Materialien: Abfälle bei der Lederbereitung, Abfälle aus den Handschuhfabriken, Hasen-, Kaninchen- und ähnliche Felle, denen die Kürschner die Haare abgeschoren haben, Abfälle aus den Schlächtereien und Schlachthäusern, allerhand beschädigte Häute, endlich in grossen Mengen die Häute, welche als Packmaterial (Seronen) für mancherlei Waaren gedient haben und viel Aehnliches. Alle diese Stoffe werden, um sie zu entfetten, zuerst mit Kalkmilch behandelt, dann gewaschen und getrocknet und gehen als sog. Leimgut an die Leimfabriken. Ihre Auflösung erfolgt in den Fabriken entweder durch anhaltendes Kochen über freiem Feuer (älteste und schlechteste Methode) oder durch eingeleiteten Wasserdampf oder im geschlossenen Gefäss unter Dampfdruck. Alles Uebrige gleicht der zuerst beschriebenen Methode. Die Nordamerikaner haben angefangen, das Einkochen der Leimlösung im Vakuum vorzunehmen und sollen damit ausgezeichnete Resultate erzielen.

Ein guter Leim muss klar, bei durchscheinendem Licht frei von Flecken sein und mit glasklarem Bruch springen; die Farbe scheint auf die Klebkraft ohne Einfluss zu sein, denn man hat vielfach sehr dunkle Sorten von ausgezeichneter Bindekraft, Er kommt bekanntlich in allen möglichen Farben, von blassgelb bis zu schwarzbraun vor; hier muss natürlich die Art der Verwendung darüber entscheiden, welche Sorten anzuwenden sind. Die gewöhnlich unter dem Namen russischer Leim im Handel vorkommende weisse und undurchsichtige Sorte ist mit färbenden Substanzen, als Schwerspath, Bleiweiss oder Zinkweiss versetzt. Vielfach werden die Leimsorten nach bestimmten Orten bezeichnet, z. B. Kölner oder Mühlhausener Leim, ohne dass damit ausgedrückt werden soll, dass der Leim von jenen Orten herstammt; man bezeichnet damit nur eine bestimmte Art, wie sie in früheren Zeiten dort allein fabrizirt wurde. Neuerdings hat man auch angefangen den Leim nicht in Tafeln auszutrocknen, sondern in Form einer festen Gallerte in Fässer eingegossen in den Handel zu bringen. Diese Art hat für viele technische Verwendungen, bei welchen der Leim in grossen Mengen gebraucht wird, z. B. bei der Papierfabrikation und zum Schlichten von Geweben viel