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Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

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Chemikalien organischen Ursprungs.

für sich, da er sich dadurch viel billiger stellt. Ganz ordinäre Leimsorten mit wenig Bindekraft werden gewöhnlich mit Malerleim bezeichnet und dienen für Leimfarben.

Vielfach hat man Prüfungsmethoden vorgeschlagen, um die Güte des Leimes zu beurtheilen, doch sind die meisten derselben durchaus unzuverlässig. Die einzigste, welche annähernd sicher über die Güte entscheidet, ist die, dass man den Leim mit kaltem Wasser übergiesst und 24-48 Stunden damit stehen lässt. Guter Leim ist stark aufgequollen, aber noch fest und zäh in der Masse; schlechter Leim ist mehr oder weniger zerflossen und häufig von sehr üblem Geruch.

Gelatine ist nichts anderes als ein sehr reiner, vollkommen geruchloser und farbloser Leim, der in äusserst dünne Tafeln geformt ist. Seine Herstellung geschieht meist aus besonders frischen und durch Abschaben gänzlich gereinigten Knochen, gewöhnlich den Rippenknochen von Rindern oder Kälbern und zwar, da es bei ihm auf Bindekraft nicht ankommt, durch Dämpfen in fest verschlossenen Gefässen. Die rothe Gelatine wird durch Zusatz von etwas Anilin oder Carmin gefärbt. Gelatine muss in Wasser gelöst noch zu 3-4% eine feste Gallerte geben.

Mundleim wird durch Zusatz von etwa 10 % Zucker zur Leimmasse hergestellt.

Flüssiger Leim. Behandelt man Leim in konzentrirter, wässeriger Lösung (1:1) mit Säuren, namentlich mit Salpetersäure, so verliert derselbe die Fähigkeit zu gelatiniren und die Lösung bleibt auch bei gewöhnlicher Temperatur flüssig. Nach R. v. Wagner stellt man einen vorzüglichen flüssigen Leim nach folgender Vorschrift her: Guter Kölner Leim wird im Wasserbade mit der gleichen Menge starken Essigs gelöst, dann ¼ Th. Alkohol und ein wenig Alaun hinzugefügt (nach eigener Erfahrung muss die Menge des Essigs bedeutend grösser sein). Nach Hesz (s. Drog. Zeit. No. 10, 1888) erhält man einen vorzüglichen flüssigen Leim nach folgender Vorschrift: 100 Th. Gelatine, 100 Th. Tischlerleim, 2 Th. Alaun, 25 Th. Alkohol werden in genügender Menge 20 %iger Essigsäure (Acet. concentrat. ) gelöst und die Lösung sechs Stunden lang im Wasserbade erhitzt. Ordinären flüssigen Leim erhält man nach demselben Verfasser durch mehrstündiges Kochen von 100 Th. Leim in 260 Th. Wasser und 16 Th. Salpetersäure. Selbstverständlich darf hier das Kochen nicht in Metallgefässen vorgenommen werden.

Chromleim. Rührt man in eine konzentrirte Leimlösung gepulvertes Kaliumbichromat, so verliert ein solcher Leim, dem Sonnenlicht ausgesetzt, die Fähigkeit sich in Wasser zu lösen. Man benutzt diese Eigenschaft zum Kleben wasserdichter Beutel aus Pergamentpapier und zur Herstellung von Gussformen, imitirter Kautschukstempel etc. etc.

In chemischer Beziehung kann man nach Merck Knochenleim (Glutin) und Knorpel oder Hautleim (Chondrin) in folgender Weise unterscheiden.