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Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

Schlagworte auf dieser Seite: Carmin

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Farben und Farbwaaren.

Bestandtheile: Gerbstoff, Haematoxylin etc. Letzteres ist das eigentlich färbende Prinzip des Holzes, obschon es in reinem Zustande keine Farbe besitzt. Es bildet durch Aether isolirt kleine farblose oder gelbliche Krystallnadeln von süssholzartigem Geschmack. In kaltem Wasser ist es wenig, in heissem leicht löslich; mit Alkalien giebt es purpurne oder violette Lösungen. An der Luft verwandelt es sich bei Gegenwart von Ammoniak in Haematein. Dieses bildet getrocknet eine dunkelgrüngoldige Masse, die mit Alkalien verschiedenfarbige Verbindungen eingeht.

Die dunkelrothe Abkochung des Holzes wird durch Säuren heller, durch Alkalien purpurn oder violett. Alaun giebt einen violetten, Bleizucker einen blauen und Galläpfel einen schwarzen Niederschlag. Das Holz ist am besten im feuchten Keller aufzubewahren.

Anwendung. In der Färberei zur Darstellung der verschiedensten dunklen und schwarzen Farben; ferner in grossen Massen zur Tintenfabrikation, da die Abkochung mit Eisenvitriol oder Kaliumchromat violettschwarze, allmälig immer dunkler werdende Lösungen giebt.

Blauholz-Extrakt. Unter diesem Namen kommt die eingedickte Abkochung des Blauholzes in grossen Massen in den Handel; seltener in halbflüssiger, meistens in fester Form. In letzterer bildet es schwarze, glänzende, in der Kälte spröde und in der Wärme mehr weiche Massen, die im Aeussern dem schwarzen Pech ähnlich sind. Es kommt namentlich von Nordamerika, in Holzkisten von 25-50 kg Inhalt eingegossen, in den Handel; jedoch sind neuerdings auch in Europa grosse Extraktfabriken entstanden. Von den amerikanischen sind die beliebtesten Marken: "Sanford", "Boston" und "Gravesend mills".

Carmin.

Unter Carmin in chemischem Sinne ist der reine Farbstoff der Cochenille zu verstehen. Es ist eine schwache Säure, die mit Basen schön gefärbte Verbindungen bildet. Der Carmin des Handels ist aber niemals ganz reine Carminsäure, sondern meist eine Verbindung mit Thonerde. Seine Darstellung ist eine sehr einfache, erfordert aber augenscheinlich allerlei kleine Kunstgriffe, da durchaus nicht alle Fabriken ein gleich schönes Fabrikat liefern. Man kocht Cochenille mit Wasser aus und schlägt den im siedenden Wasser gelösten Farbstoff mittelst Thonerde nieder, oder man kocht die Cochenille mit sehr dünner Natriumcarbonatlösung, klärt mit Eiweiss und fällt den Farbstoff mit verdünnter Schwefelsäure aus. Letztere Methode soll namentlich ein sehr schönes Produkt liefern. Der Carmin bildet leichte Klümpchen oder ein feines Pulver von feurig rother Farbe, welches in Salmiakgeist, mit Hinterlassung eines sehr kleinen Rückstandes von Thonerde vollständig löslich sein muss. Zugemengte andere Substanzen, wie Kreide, grosser Thonerdegehalt, sowie ein