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Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

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Farben und Farbwaaren.

Menge); I. pseudo-tinctoria in Ostindien; I. disperma liefert den Guatemala-Indigo; I. argentea in Afrika liefert nicht viel, aber guten Indigo. Die Kultur der Indigopflanzen erstreckt sich über Ost- und Westindien, China, Mexiko, Caracas, Aegypten, Algerien etc.

Das Indigoblau ist in den Pflanzen nicht fertig gebildet, sondern entsteht erst durch die Einwirkung des Sauerstoffs der atmosphärischen Luft auf einen farblosen, in Wasser löslichen Bestandtheil der Pflanzen den man Indican genannt hat. Der Anbau und die Fabrikation geschieht in folgender Weise. Die Pflanzen werden in gut beackertem Boden aus Samen gezogen, der Boden sorgsam von Unkraut freigehalten und nach einigen Monaten die etwa meterhohen Schösslinge geschnitten. In Ostindien kann ein derartiger Schnitt 2-3 mal in einem Jahre vorgenommen werden, in Amerika dagegen nur 1-2 mal. Alle drei Jahre werden die Felder von den alten Pflanzen befreit und neu besäet. Die Pflanze selbst ist ein strauchartiges Kraut mit einfach gefiederten Blättern, in den Blattwinkeln mit gelben oder rothen Blüthenständen. Unmittelbar nach dem Schnitt (nur an einzelnen Orten verwendet man das Kraut getrocknet) werden die Zweige in ausgemauerte Bassins geschichtet, mit Wasser übergossen und mit Steinen beschwert, um sie unter Wasser zu halten. Bei der hohen Temperatur jener Gegenden tritt rasch eine Art von Gährung ein; es entwickeln sich ziemlich grosse Mengen von Kohlensäure, auch Wasserstoff und Stickstoff entweichen und die Oberfläche bedeckt sich bald mit Schaum. Sobald dieser braun erscheint (gewöhnlich nach 12-16 Stunden), lässt man die gelbgefärbte Flüssigkeit in tiefer stehende steinerne Kufen ab. Hier wird sie, unter fortwährendem Rühren und Schlagen der oxydirenden Einwirkung der Luft ausgesetzt, sie färbt sich anfangs grün, dann blau durch ein darin suspendirtes Pulver, dem eigentlichen Indigo. Nach etwa 5-6 Stunden ist auch diese Operation beendet und die Flüssigkeit wird zum Absetzen der Ruhe überlassen. Nach dem Abfliessen der überstehenden Flüssigkeit wird der Indigoschlamm gewöhnlich noch mit ganz verdünnter Kalkmilch gewaschen (geschont), auf Tücher gebracht, ausgepresst und die Presskuchen, meist durch Drähte, in viereckige Stücke geschnitten. Diese werden schliesslich bei mäßiger Temperatur völlig ausgetrocknet und bilden den Indigo des Handels. 140-160 Pflanzen sollen 1 kg Indigo liefern.

Guter Indigo muss locker sein, auf Wasser schwimmen und an die feuchte Zunge gebracht, anhaften; der Bruch ist gleichmäßig, mattblau oder violett, beim Reiben mit dem Fingernagel zeigt er einen schönen Kupferglanz. Er darf mit Säuren nicht aufbrausen und beim Verbrennen nur einen geringen Aschegehalt (6-7 %) hinterlassen, mit wenig Wasser soll die Mischung nicht schleimig werden. Er ist geruch- und geschmacklos. Die ganze Prüfung seines Werthes beruht nur auf dem wirklichen Gehalt an Indigoblau, dem sog. Indigotin. Gute Sorten enthalten hiervon 40 bis 60 %, mittlere 20-30, ganz schlechte Sorten oft nur 10 %. Der prak-^[folgende Seite]