Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

683

B. Farben für Malerei und Druckerei.

Seine Darstellungsweise ist eine sehr verschiedene. Jedoch beruhen alle Methoden auf dem gleichen Prinzip, dass zuerst basisch essigsaures Bleioxyd hergestellt und dieses durch Kohlensäure in Bleiweiss verwandelt wird. Man unterscheidet namentlich 4 Methoden, die holländische, deutsche, französische und englische.

I. Holländische Methode. Diese ist die älteste von allen und liefert, obgleich ziemlich unrationell, ein sehr weiches, weisses und daher besonders stark deckendes Bleiweiss, welches von den Malern am meisten geschätzt wird.

Das Verfahren hierbei ist folgendes:

In irdene, innen glasirte Töpfe wird etwas ordinärer Essig gegossen, dann dickes Bleiblech aufgerollt in dieselben hineingestellt und mit einer Bleiplatte bedeckt. Die so vorbereiteten Töpfe werden in Pferdedung eingebettet und in diesem sog. Dungbad mehrere Wochen sich selbst überlassen. Nach dieser Zeit sind die Bleiplatten und Bleibleche fast gänzlich in schieferig abblätterbares Bleiweiss verwandelt, welches dann durch Mahlen und Schlämmen weiter präparirt wird.

Der chemische Vorgang ist folgender: Durch den sich zersetzenden Dünger entsteht Wärme und, neben anderen Produkten, Kohlensäure. Die Wärme verflüchtigt die Essigsäure und diese verbindet sich unter Mitwirkung von Sauerstoff und Feuchtigkeit mit dem Blei zu basischem Bleiacetat. Dieses wird wiederum durch die Kohlensäure in basisch-kohlensaures Bleioxyd (Bleiweiss) und neutrales Bleiacetat verwandelt. Letzteres nimmt abermals Bleioxyd in seine Verbindung auf, wird dadurch wieder zu basisch-essigsaurem Bleioxyd und so wiederholen sich die Umsetzungen bis zur gänzlichen Umwandlung des Bleies in Bleiweiss.

II. Deutsche Methode. Diese beruht auf denselben Prinzipien; man verfuhr früher in der Weise, dass man in geschlossenen Kammern Weintrester gähren liess, während auf Hürden ausgebreitet Bleiplatten über denselben lagen. Durch die Gährung der Trester entstand Essigsäure, Kohlensäure und Wasserdunst, die dann genau so auf einander wirkten, wie bei der holländischen Methode. Neuerdings hat man diese Methode auf rationellere Weise dadurch abgeändert, dass man die Trestergährung wegfallen lässt, dagegen die Bleiplatten zuerst durch Eintauchen in Essigsäure mit einer dünnen Schicht Bleiacetat bedeckt, auf die Hürden packt und nun einen Strom Kohlensäure und feuchte warme Luft in die Kammern leitet, bis die Umwandlung vollzogen ist.

III. Englische Methode. Hierbei ist das Verfahren ein ganz anderes. Man stellt zuerst besonders fein präparirtes Bleioxyd (Bleiglätte) dar, breitet dieses mit Essigsäure befeuchtet aus und lässt unter stetem Umrühren einen Strom von Kohlensäure, die man durch Verbrennen von Coakes erzeugt, darüber hinwegstreichen. Das auf diese Weise gewonnene Bleiweiss ist ebenfalls sehr fein und stark deckend.