Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

723

C. Siccative, Firnisse, Lacke.

so wird die Farbe der Mischung gar nicht oder doch nur in kaum bemerkbarer Weise verändert. Streicht man nun diese Mischung auf Glas und beobachtet sie auf das genaueste, so zeigt sich nach einiger Zeit, dass die weisse Farbe sich gelbt, dann aber wieder abbleicht und nach Verlauf von 6-7 Stunden, wenn die Farbe getrocknet, wieder zum ursprünglichen Weiss zurückgekehrt ist. Es muss hier also entschieden zuerst eine Oxydation und darauf eine Reduktion stattgefunden haben. Sehr deutlich kann man diesen Vorgang ebenfalls beobachten, wenn man Leinöl mit hellem Mangansiccativ vermischt. Die Mischung wird anfangs dunkler, nach einiger Zeit aber heller als das angewandte Leinöl vorher war. Bekannt ist ja, dass bei der Anwendung von dunklem Bleisiccativ ein anfangs sehr gelb erscheinender Bleiweiss- oder Zinkweissanstrich während

des Trocknens "abzieht", wie der technische Ausdruck lautet, d. h. mehr oder weniger weiss wird, wenn auch nicht in dem Maße, wie bei Anwendung von Mangansiccativ. Da nun, wie wir oben gesehen haben, reines Bleioleinat nur eine äusserst schwach trocknende Kraft hat, so müssen demnach bei der Bereitung des Bleisiccativs auf gewöhnlichem Wege höhere Oxydationsprodukte entstehen, welche befähigt sind, Sauerstoff an das Leinöl abzugeben, um die trocknende Kraft dieser dunklen Siccative zu erklären.

Dass hierbei kein vollständiges Abbleichen stattfindet, hat darin seinen Grund, dass bei der grossen Hitze, die bei der Bereitung der Siccative auf gewöhnlichem Wege angewendet werden muss, so weitgehende brenzliche Umsetzungsprodukte entstehen, dass ein völliges Abbleichen, wegen des darin ausgeschiedenen Kohlenstoffs, nicht mehr möglich ist.

Bei den Versuchen mit leinölsaurem Zinkoxyd stellte es sich heraus, dass dieses wohl in kochendem, kaum aber in kaltem Leinöl löslich ist; nur Spuren blieben in Lösung, die eine merklich trocknende Kraft nicht mehr besassen.

Die Wirkung des borsauren Manganoxyduls ergiebt sich aus dem vorher Gesagten von selbst. Es ist, wenn auch nur in geringem Maße, in Leinöl löslich, die Lösung bräunt, d. h. oxydirt sich alsbald höher, giebt aber später ihren Sauerstoff wieder an weitere Mengen Leinöl zu dessen Oxydation ab.

Neben diesen angeführten oxydirenden Eigenschaften der flüssigen Siccative üben dieselben aber noch eine weitere Einwirkung auf das Leinöl aus. Bekanntlich enthalten selbst bestabgelagerte Leinöle immer noch gewisse Mengen Schleimsubstanzen in Lösung. Diese werden durch zugesetzte, in denselben lösliche Metallverbindungen, einerlei ob Blei, Zink oder Mangan, völlig ausgefällt. Man kann sich davon leicht überzeugen, wenn man zu einem alten, völlig blanken Leinöl einige Prozent flüssiges Siccativ hinzufügt. Die Mischung bleibt, wenn das Siccativ selbst klar war, anfangs völlig blank, nach einiger Zeit fängt sie an sich zu trüben, und die schleimigen Substanzen senken sich zu Boden. Nach ein bis zwei