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Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

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Farben und Farbwaaren.

Tagen ist die Mischung wieder vollständig blank geworden und trübt sich auch nicht wieder, wenn man neue Mengen Siccativ hinzusetzt. Hatte man reines Mangansiccativ benutzt, so erscheint das Oel heller als vorher. Auf diese Weise lassen sich auf kaltem Wege schöne, helle Firnisse herstellen, welche zwar nicht so rasch trocknen wie gekochte, sich für viele Zwecke aber vorzüglich eignen, da das Oel seine vollständige Fettigkeit behält.

Betrachten wir nun nach dem vorher Gesagten die Wirkung der Bleiglätte als trocknenden Zusatz bei Oelfarbenanstrich, so leuchtet bei genauer Ueberlegung leicht ein, dass die, wenn auch langsam trocknende Wirkung derselben auf anderen Ursachen beruhen muss, als dies bei flüssigen Siccativen der Fall ist. Wir haben oben gesehen, dass das reine Bleioleinat, welches hier ebenfalls entsteht, keine oder doch nur sehr geringe trocknende Kraft besitzt. Wir müssen hier bei der Bleiglätte eine andere Erklärung suchen und diese liegt unserer Ansicht nach in der eigenthümlichen Erscheinung dessen, was der Chemiker "praedisponirende Verwandtschaft" nennt.

Bekanntlich werden hierbei Körper praedisponirt, d. h. vorher bestimmt, gewisse neue Verbindungen einzugehen, z. B. Säuren zu bilden, um mit anderen, gleichzeitig vorhandenen Körpern, z. B. Basen, eine Doppelverbindung einzugehen. In unserem Falle hat nun die Bleiglätte (Bleioxyd) eine chemische Verwandtschaft zu den aus dem Leinöl durch weitere Oxydation entstehenden Säuren. Hierdurch wird eine schnellere Oxydation des Leinöls eingeleitet und weitergeführt, bis alles Bleioxyd sich mit den entstehenden Säuren zu einer neuen Verbindung, dem Bleioleinat, zusammengefügt hat, mit anderen Worten, das Leinöl wird sich hier, bei Gegenwart des Bleioxyds, rascher oxydiren, d. h. rascher trocknen, als es ohne dasselbe der Fall wäre. In dieser Wirkung liegt auch die Erklärung dafür, dass alle diejenigen Farben, welche freie Oxyde oder solche Metallverbindungen mit nur schwachen Säuren, wie z. B. Kohlensäure enthalten, leichter im Oelfarbenanstrich trocknen, als solche, bei denen dies nicht zutrifft. Es wird um so rascher geschehen, je stärker die Verwandtschaft des betr. Metalloxydes zu den Säuren des Leinöls ist. Daher sind Bleiglätte, Mennig, Bleiweiss natürliche Siccative, während das Zinkweiss (Zinkoxyd) nur eine geringere Verwandtschaft zu den erwähnten Säuren hat, da das entstehende Zinkoleinat in kaltem Leinöl kaum löslich ist. Deshalb trocknen Zinkweissanstriche bedeutend langsamer als solche mit Bleiweiss. Am langsamsten werden alle die Farben trocknen, die nur solche Stoffe enthalten, welche absolut keine Verwandtschaft zu den Leinölsäuren haben. Hierher gehören vor Allem Kienruss, überhaupt schwarze Farben, ferner Zinkgrün, sowie die meisten Oelgrüne, namentlich wenn sie stark mit Schwerspath "gestreckt" sind.

Der Verfasser hat auch, veranlasst durch die hohe Preislage des Terpentinöls, seine Versuche dahin ausgedehnt, festzustellen, ob dasselbe nicht