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Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

Schlagworte auf dieser Seite: Stand- oder Dicköl

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C. Siccative, Firnisse, Lacke.

schwefelsaures Blei aus; der Firniss wird nochmals mit reinem Wasser gewaschen und stellt dann, einige Zeit dem Sonnenlicht ausgesetzt, eine fast wasserhelle, klare Flüssigkeit dar. Ein Haupterforderniss für die Gewinnung guter Firnisse ist immer die Anwendung eines alten, gut abgelagerten Oeles, da ein frisches Oel so viel Schleimtheile enthält, dass das Aufkochen derselben wegen des starken Schäumens mit grosser Gefahr verbunden ist.

Ein guter Firniss darf beim Aufgiessen nicht wie Leinöl schäumen; er ist etwas dickflüssiger wie dieses, darf aber, wenn für Malerzwecke bestimmt, nicht zähflüssig sein. Seine Güte erkennt man am besten durch eine Trockenprobe, welche man auf einer Glasplatte ausführt. Auf einer solchen soll ein Anstrich mit Bleifarben in 6-12 Stunden, mit Erdfarben in 20-24 Stunden völlig hart erscheinen.

Leider hat man in letzter Zeit vielfach grobe Verfälschungen des Leinöls und des Firnisses entdeckt, namentlich solche mit Mineralöl und Harz.

Um auf Mineralöl zu prüfen, giesst man in einen verschliessbaren Glascylinder von etwa 18 mm innerer Weite und 200 mm Höhe eine Oelschicht, 40 mm hoch, und darauf noch etwa 130 mm Anilinöl, so dass der Cylinder im Ganzen eine 170 mm hohe Flüssigkeitsschicht enthält. Nun wird der Inhalt kräftig durchgeschüttelt und bei Kellertemperatur 24 Stunden hingestellt. Reines Leinöl oder reiner Leinölfirniss bleiben klar, während bei Gegenwart von Mineralöl sich an der Oberfläche eine ölige Schicht abscheidet, die bei gelindem Bewegen der Flüssigkeit deutlich erkennbar wird.

Verfälschungen mit Harz erkennt man in folgender Weise: Man schüttelt einen Tropfen des Oeles mit 1 ccm Essigsäureanhydrit und lässt einen Tropfen konzentrirte Schwefelsäure hineinfallen. Wenn Harz vorhanden ist, so tritt eine intensiv purpurrothe Färbung ein, welche nach kurzer Zeit wieder verschwindet. Ein Gehalt von 1% Harz ist durch diese Methode noch deutlich an der Purpurfärbung zu erkennen.

Stand- oder Dicköl.

Unter diesem Namen kommt ein Präparat in den Handel, das weiter nichts ist, als ein durch die Behandlung hoch oxydirtes und zugleich gebleichtes Leinöl. Es ist von zäher Lackkonsistenz und muss, wenn es für sich zum Anrühren der Farben benutzt werden soll, mit Terpentinöl verdünnt werden. Das Standöl dient als Ersatz für Lacke, namentlich für den leicht rissig werdenden Dammarlack und wird am besten dort verwendet, wo der Anstrich, der einen hohen Glanz besitzt, den direkten Sonnenstrahlen ausgesetzt ist; während hier ein Lacküberzug leicht reisst oder gar Blasen bildet, ist dieses bei dem Standöl nie der Fall. Die Bereitung des Standöles geschieht in der Weise, dass man erwärmtes Leinöl