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Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

Zweiter Theil

Die Herstellung der gebräuchlichen Handverkaufsartikel.

Schlagworte auf dieser Seite: Spirituosen

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Spirituosen.

reichen Weine zu dienen. Kornbranntweine eignen sich ihres starken Geruches halber nur für einzelne Spirituosen, wie Kümmel, Genèvre und Nordhäuser. Für andere sind sie direkt unbrauchbar. Was die Alkoholgrade der spirituosen Getränke betrifft, so rechnet man für Rum, Arrac und Cognac 45-60°, für Branntweine und bittere Schnäpse 30-40° und für feine Liköre 25-33°.

2. Wo Zucker zur Verwendung kommt, muss dieser stets zuvor durch Aufkochen und Abschäumen geläutert werden. Gebläute Zucker sind gänzlich zu verwerfen. Seit der flüssige Invert- oder Fruchtzucker im Handel ist, sollte man diesen immer an Stelle des Rohrzuckers verwenden, um so mehr, da sein Preis wenig oder gar nicht höher als der des gewöhnlichen Zuckers ist. 1 Liter Invertzucker entspricht 1 kg gewöhnlichen Zucker. Vor dem Letzteren hat er für die Zwecke der Likörfabrikation folgende Vorzüge: 1. Das bei grossen Mengen höchst lästige Aufkochen und Abschäumen fällt weg. 2. Er giebt dem Getränk, ohne es zu süss zu machen, eine grosse Rundung und Fülle. 3. Das lästige Auskrystallisiren bei sehr zuckerreichen Likören und Punschextrakten kommt bei Benutzung des Invertzuckers niemals vor. 4. Das Arom der Getränke tritt im Geschmack stärker hervor, weil es durch die mildere Süsse des Invertzuckers weniger beeinträchtigt wird.

3. Die zur Anwendung kommenden sonstigen Materialien müssen von allerbester Beschaffenheit sein. Von den ätherischen Oelen sollten nur die hochfeinsten Marken verwendet werden. Denn es ist, um nur ein Beispiel anzuführen, ein grosser Unterschied, ob ein Pfefferminzlikör mit feinstem Mitscham- oder amerikanischem Pfefferminzöl bereitet ist.

Wo Kräuter und Wurzeln direkt zur Verwendung kommen, müssen diese frisch, gut getrocknet und von allem Schmutz befreit sein. Gerade" der letztere Umstand ist bei Massenartikeln, wie Wermuth, Kalmus etc. sehr zu beachten, da beim Trocknen auf dem Boden oft die widerlichsten Dinge mit hineingerathen und das ganze Fabrikat verderben können. Frische ungetrocknete Vegetabilien geben allerdings sehr kräftige Auszüge, aber die damit bereiteten Getränke haben leicht einen krautigen Geschmack, ein Uebelstand, der bei vorsichtig getrocknetem Material wegfällt.

Wer sich also mit der Fabrikation im Grösseren befasst und in der Lage ist, die betreffenden Kräuter und Wurzeln frisch erhalten zu können, der wird gut thun, dieselben vorsichtig zu trocknen und dann sofort starke Tinkturen oder Essenzen aus denselben zu bereiten. Auf diese Weise wird er im Stande sein, Produkte von gleichmässiger und höchster Feinheit des Geschmackes zu liefern.

4. Spirituosen sollten niemals frisch verbraucht werden; erst nach hinreichender Lagerzeit runden sich Geruch und Geschmack völlig ab. Jetzt erst werden sie auf Flaschen gefüllt und an einem mässig warmen Orte, vor direktem Sonnenlicht geschützt, aufbewahrt. Letzteres wirkt