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Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

Zweiter Theil

Die Herstellung der gebräuchlichen Handverkaufsartikel.

Schlagworte auf dieser Seite: Mittel zur Pflege der Haare

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Mittel zur Pflege der Haare.

Die von Lassar vertretene Ansicht wird übrigens von vielen anderen Forschern nicht getheilt. Diese behaupten, dass, wenn die Lassar'sche Ansicht richtig sei, in einer Familie, wo ein Mitglied an einer Haarkrankheit leide, dieselbe alsbald auf alle Mitglieder übertragen würde, sobald diese gleiche Haarkämme oder Haarbürsten benutzen, eine Erscheinung, die sich nirgend bestätigt habe.

Die Krankheiten der Haare betreffen nur in selteneren Fällen diese allein, sondern sind meist begründet in abnormen Zuständen des Haarbodens, in welchem sie eingepflanzt sind. Zu den ersteren, nur das Haar selbst betreffenden Krankheitserscheinungen, gehören das Spalten und Brechen der Haare; beides sind wahrscheinlich Folgen von Fettmangel und lassen sich daher durch rationelle Zuführung von Fett verringeren und auch ganz beseitigen. Der sog. Weichselzopf und das Verfilzen der Haare sind gar nicht eigentliche Haarkrankheiten, sondern nur eine Folge von Unreinlichkeit oder auch eine Folge der Unmöglichkeit des Kämmens und der Haarpflege während langer und schwerer Krankheiten. Eine andere Veränderung im Haare selbst, die der Haarfarbe, sei es durch Krankheit, Sorgen oder wie in den meisten Fällen durch das Alter, ist durch irgend welche arzneiliche Mittel auf keine Weise zu beseitigen. Soll dieses Uebel verdeckt werden, so bleibt eben nur die zeitweilige künstliche Färbung des Haares übrig.

Eine andere krankhafte Erscheinung, das starke Ausfallen des Haares und ein dadurch bedingtes Kahlwerden der bisher behaarten Stellen, (wir sprechen hier immer nur von den längeren Haaren des Kopfes, des Bartes und (fer Augenbrauen), hat fast immer seinen Grund in krankhaften Veränderungen des Haarbodens, sei diese bedingt durch allgemeine Krankheit oder durch anormale Zustände der Haut, wie sie sich auch bei sonst gesunden Menschen zeigen. Es sind dies dieselben Veränderungen, wie wir sie schon in den Vorbesprechungen zur Pflege der Haut kennen gelernt haben. Namentlich die zu grosse oder zu geringe Fettabsonderung der Talgdrüsen ruft vielfach Störungen im Haarwuchs hervor und bedingt ein starkes Ausfallen der Haare; hier muss also entweder eine Fettzuführung oder eine Fettentfernung stattfinden. Es sei hier gleich bemerkt, dass die Haare im normalen Verlauf nur eine bestimmte Lebensdauer haben, sie sterben allmälig (3-6 Jahren) ab, fallen aus, werden aber durch neuen Nachwuchs ergänzt. Von einem Ausfallen der Haare in krankhaftem Sinne kann also nur die Rede sein, wenn das Ausfallen über das normale Mass hinaus (nach Paschkis 50-60 Haare per Tag) geht, Ein solcher Zustand tritt häufig ein nach schweren allgemeinen Erkrankungen oder nach lokalen Erkrankungen der Kopfhaut. Im ersten Falle tritt die Heilung sofort ein, wenn die eigentliche Krankheit gehoben, im anderen Falle lässt sich durch eine richtige Behandlung des Haarbodens Vieles erreichen. Zu- und Abfuhr von Fett, unter Zuhülfenahme von tonisirenden und reizenden Mitteln, welche eine vermehrte Hautthätigkeit bewirken