Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

Zweiter Theil

Die Herstellung der gebräuchlichen Handverkaufsartikel.

Schlagworte auf dieser Seite: Firnisse

217

Lacke und Firnisse.

Lacke und Firnisse.

Es kann sich in einem Vorschriftenbuch für Drogisten weniger um die ganze Lack- und Firnissfabrikation handeln, denn diese erfordert bedeutende Fabrikanlagen, sondern hauptsächlich nur um den Theil der Fabrikation, welcher ohne grosse maschinelle Einrichtungen und ohne besondere Feuersgefahr möglich ist, also vor Allem um die Fabrikation der Spiritus- und Terpentinöllacke und ähnlicher Präparate. Um aber über das Ganze einen theoretischen Ueberblick zu geben, lassen wir hier das folgen, was der Verfasser in seinem Handbuch der Drogisten-Praxis I über dieses Thema sagt.

Firnisse.

Der Name "Firniss" wird vielfach fälschlich auch für diejenigen Präparate gebraucht, welche wir richtiger mit "Lack" zu bezeichnen haben. Unter Firniss im engeren Sinne sind einzig und allein trocknende Oele zu verstehen, bei welchen durch besondere Behandlung die Fähigkeit des Austrocknens erhöht ist. Sie erhärten in dünner Schicht ausgestrichen in kurzer Zeit zu einem glänzenden, biegsamen Ueberzug. Diese Erhärtung beruht nicht etwa auf einer Verdunstung, sondern im Gegentheil auf einer Oxydation, bei der das Gewicht des angewandten Firniss sich um ein Bedeutendes erhöht. Es bilden sich bei diesem Prozesse neue, harzartige Körper. "Lacke" im engeren Sinne sind Lösungen von Harzen in irgend einem Lösungsmittel, z. B. Terpentinöl, Weingeist, Aether etc. Streichen wir Lack in dünner Schicht aus, so entsteht ebenfalls ein harter und glänzender Ueberzug, welcher nach dem Verdunsten des Lösungsmittels zurückbleibt. Hierbei tritt selbstverständlich eine Gewichtsverminderung ein. Da derartige reine Harzlacke vielfach hart, spröde, daher rissig werden, so setzt man ihnen zur Vermeidung dieses Uebelstandes andere Stoffe zu. Bei den Weingeistlacken, welche von verhältnissmässig geringer Dauer sind, sucht man diesen Zweck durch einen Zusatz von Terpentin, Kampher oder ähnlichen Stoffen zu erreichen (s. später); bei den Terpentinöllacken dagegen erreicht man dasselbe weit besser und in erhöhtem Masse durch einen Zusatz von Firniss. Derartige Lacke heissen Firniss-, Oel- oder fette Lacke. Hierher gehören die wichtigsten aller derartigen Präparate, die Kopal- und Bernsteinlacke.

Bereitung der Firnisse. Wenn man von Firnissen spricht, so ist darunter ohne Weiteres Leinölfirniss zu verstehen, da die anderen trocknenden Oele nur sehr selten zur Firnissbereitung benutzt werden. Es möchte wohl wenig im pekuniären Interesse eines Drogisten oder Farbwaarenhändlers liegen, seine Firnisse selbst zu bereiten. Heute, in der