Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

Zweiter Theil

Die Herstellung der gebräuchlichen Handverkaufsartikel.

Schlagworte auf dieser Seite: Lacke und Firnisse

232

Lacke und Firnisse.

Farbe sehr zu berücksichtigen. Für dunkel gefärbte Lacke kann man gern den ordinären Rubinschellack verwenden; doch löst sich dieser verhältnissmässig sehr schwer auf. Manche Sorten zeigen sich nach dem Aufquellen in Weingeist oft lederartig zähe und sind dann sehr schwer löslich. Wenn also die Preisdifferenz zwischen dieser und den dünnblättrigen Sorten nicht gar zu gross ist, so möchte immer, selbst bei den dunkleren Laeken, zu den besseren Sorten zu rathen sein.

Vielfach kommt es vor, dass namentlich für Metall- und Strohhutlacke eine lebhafte Färbung des Lacküberzuges gewünscht wird. Hier sind die farbenprächtigen Aniline durchaus am Plätze; doch hüte man sich vor zu grossem Zusatz, 10-15 g auf 1 kg genügen reichlich. Mit Leichtigkeit wird man durch geeignete Farbenmischungen alle nur gewünschten Nüancen hervorrufen können; bei den Goldfirnissen, von welchen eine grössere Dauerhaftigkeit verlangt wird, thut man gut, die Aniline durch Gummi gutti oder Drachenblut zu ersetzen.

Für viele Lacke, wo es auf eine dauernde Biegsamkeit ankommt, oder wo überhaupt eine allzugrosse Härte des Lackes und ein dadurch bedingtes Rissigwerden derselben vermieden werden soll, ist es zu empfehlen, einen Theil des Spiritus, ca. ¼-1/3, durch Terpentinöl zu ersetzen. Viele Harze lösen sich in einer solchen Mischung viel leichter als in reinem Spiritus, und der damit erzielte Lack trocknet allerdings etwas langsamer, erhält dafür aber eine grosse Widerstandsfähigkeit.

Was nun das Verhältniss der Harze zu den Lösungsmitteln betrifft, so rechnet man durchschnittlich auf 1 Th. Harz 2-3 Th. Lösungsmittel. Grössere Verdünnung ist nur in sehr seltenen Fällen anzurathen.

Da das Filtriren der Lacke nicht immer ganz zu vermeiden ist, so seien auch hierüber einige Winke gegeben. Sobald es sich um Spiritus- oder Aethermischungen, noch mehr, wenn es sich um Benzinlacke handelt, so bedingt die grosse Flüchtigkeit des Lösungsmittels ein starkes Verdunsten desselben während der immerhin langsamen Filtration. Hiergegen kann man sich auf ziemlich einfache Weise schützen. Man benutzt als Filtrirgefäss eine weithalsige Flasche, welche mit einem guten Korkspunt verschlossen wird. Dieser wird doppelt durchbohrt, durch die eine grössere Oeffnung wird der Trichter gesteckt, durch die zweite kleinere ein kurzes, knieformig gebogenes Rohr. Für den Trichter hat man einen Deckel aus dickem Holz schneiden lassen, welcher unten, des besseren Verschlusses wegen, mit Filz oder Tuch überzogen wird. Dieser Holzdeckel wird nun ebenfalls durchbohrt und mit einer gleichen knieförmigen Röhre versehen wie der Spunt. Sobald der Trichter beschickt ist, wird der Deckel aufgelegt und die beiden knieförmigen Röhre mit einem Gummischlauch verbunden. Auf diese Weise korrespondirt die Luftschicht im unteren Gefäss stets mit der Luftschicht im Trichter, so dass sich der Abfluss ohne Störung vollziehen kann. Da das Filter, wenn es nicht stets mit Lack völlig gefüllt ist, sich sehr schnell verstopft, indem die Poren des Papieres