Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

Zweiter Theil

Die Herstellung der gebräuchlichen Handverkaufsartikel.

Schlagworte auf dieser Seite: Gallus- oder Gerbsäuretinten

268

Tinten.

Wenn wir Alles im Vorhergesagten zusammenfassen, so können wir allerdings wohl behaupten, dass die Tintenfabrikation in den letzten Jahrzehnten bedeutend fortgeschritten ist, dass aber die letzte Aufgabe derselben, die Herstellung einer vollkommen tadelfreien Stahlfedertinte immer noch nicht gelöst ist.

Wir bringen nun in dem Nachfolgenden eine Reihe von Vorschriften, die wir der besseren Uebersicht halber in kleine Gruppen theilen.

Gallus- oder Gerbsäuretinten.

1. Tannin 40,0

Eisenvitriol 25,0

Gummi Arabicum 15,0

Anilinblau 5,0

Holzessig, roher 15,0

Wasser 900,0

Das Tannin wird in etwa der Hälfte des Wassers gelöst; in einem anderen Theil der Eisenvitriol mit dem Holzessig; in einem weiteren Theil das Gummi Arabicum und endlich in der letzten Menge das Anilinblau. Man fügt nun zuerst den Eisenvitriol zur Tanninlösung, dann das Gummi Arabicum und lässt im verschlossenen Gefäss ca. 8 Tage absetzen. Hierauf giesst man klar ab und fügt nun das Anilinblau hinzu.

2. n. Schluttig u. Neumann.

Tannin 23,4

Gallussäure 7,7

Eisenvitriol 30,0

Salzsäure 10,0

Gummi Arabicum 10,0

Karbolsäure 1,0

Anilinblau 5,0

Wasser 920,0

Bereitung und Reihenfolge wie oben.

3. sog. Kanzleitinte n. Dieterich.

Tannin 60,0

Eisensesquichloritlösung 40,0

Schwefelsäure 0,5

Zucker 10,0

Anilinblau 5,0

Wasser 890,0

Die in dieser Vorschrift angegebene Tanninmenge kann, nach Dieterich, auch durch einen aus 120,0 Galläpfeln bereiteten Auszug ersetzt werden. In diesem Falle wird statt 10,0 nur 5,0 Zucker angewandt. Die Bereitung dieser Tinte ist folgende: "Zuerst wird das Tannin in der Hälfte des angegebenen Wassers gelöst, dann diese Lösung oder der oben genannte Galläpfelauszug mit dem Eisensesquichlorit, der Säure und dem übrigen Wasser vermengt und das Ganze über freiem Feuer in einem blanken kupfernen oder emaillirtem eisernen Gefäss so lange gekocht, bis die anfangs veilchenblaue Farbe in ein schmutziges Gelbbraun übergegangen ist. Nun wird der Zucker und, nach 4-5 tägigem Stehen, das Anilinpigment hinzugefügt.