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Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

Zweiter Theil

Die Herstellung der gebräuchlichen Handverkaufsartikel.

Schlagworte auf dieser Seite: Labessenz

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Präparate für die Milchwirthschaft.

gleichviel Labmagen verwenden, um so viel als möglich immer eine gleich wirkende Labflüssigkeit zu erhalten. Die Labflüssigkeit sollte man immer messen und nicht so ungefähr zusetzen. Aus frischem Labmagen kann man eine sehr wirksame und haltbare Labessenz nach folgender Vorschrift darstellen: In eine Zweiliterflasche werden 1 ½ Liter Regen- oder reines Bachwasser (kalkhaltiges Brunnenwasser ist nicht gut) und 80,0 Kochsalz gebracht; wenn letzteres aufgelöst ist, bringt man einen in möglichst kleine Stückchen zerschnittenen Labmagen hinein, rührt gut um und lässt 12 bis 24 Stunden stehen, dann giesst man 2 dcl Weingeist hinzu, verkorkt und lässt das Ganze unter öfterem Umrühren 3 Wochen lang stehen. Die entstandene dicke schleimige Flüssigkeit wird jetzt in eine Flasche mit weiter Oeffnung abgegossen und soviel Stücke zerrissenes und zusammengeknittertes weisses Fliesspapier hin eingebracht, bis dies eben noch mit der Flüssigkeit bedeckt ist, dann wird die Flasche verkorkt und stehen gelassen. Durch das Fliesspapier wird der Schleim entfernt. Nach 3 bis 4 Wochen drückt man das Fliesspapier leicht aus, füllt die Flüssigkeit in Flaschen und bewahrt sie auf. Ein Liter genügt, um etwa 4000 Liter Milch zum Gerinnen zu bringen. Man kann die Flüssigkeit in grosser Menge darstellen, und sie dann Jahre lang in gut verkorkten Flaschen im Keller aufbewahren. Hervorzuheben ist, dass die Labflüssigkeit hinreichend lange Zeit mit genügend Fliesspapier in Berührung sein muss, damit der Schleim möglichst vollständig entfernt wird. So lange die Flüssigkeit schleimig ist, ist sie weniger wirksam.

(Wochenschrift des Landw. Vereins Baden.)

Labessenz n. Dieterich.

Labmagen 100,0

zerkleinert man auf einer Fleischhackmaschine und übergiesst sie dann mit einer Mischung von

Wasser, destillirt 540,0

Spiritus 60,0

in welcher man vorher

Natriumchlorid 30,0

Borsäure 20,0

löst und

Talkpulver 20,0

Filtrirpapierabschnitte 10,0

verrührte. Man bringt das Ganze in eine enghalsige Flasche, verkorkt und lässt, vor Tageslicht geschützt, 4 Wochen in gewöhnlicher Zimmertemperatur unter zeitweiligem Schütteln mazeriren, um dann zu koliren und filtriren.

Das anfänglich trübe Filtrat wird auf das Filter so oft zurückgegossen, bis es klar ist und dann auf kleine Fläschchen, welche man nach dem Korken verpicht, abgefüllt und im Dunkeln aufbewahrt.

Beim Verkauf verabreicht man gleichzeitig ein Messfläschchen und lässt pro 10 Liter Milch 5,0 Essenz abmessen. Die Ausbeute beträgt ungefähr 500,0.

Dr. Witte in Rostock liefert neuerdings ein Labessenz-Extrakt, welches durch einfaches Auflösen in verdünntem Spiritus sofort eine fertige Labessenz liefert.

Bei allen Labessenzen liegt eine grosse Schwierigkeit in der Filtration, welche wegen des Schleimgehaltes eine sehr langsame ist. Wir verweisen hier nochmals auf das bei der Filtration der Fruchtsäfte Gesagte.