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Abhandlung von der Stadt Ulm

Bruder Felix Fabris, Druck der Buchdruckerei von Heinrich Frey, Ulm, 1909

Nach der Ausgabe des litterarischen Vereins in Stuttgart verdeutscht von Professor K. D. Haßler.

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Wie ferner Ulm urbs genannt werden kann, so auch civitas, weil civitas und urbs dasselbe sind. Und wenn eine Stadt (urbs) oder Feste (castrum) nicht eine civitas sein sollte, so wird sie eine civitas schon durch die Tatsache, wenn ein Papst oder Kaiser an sie als an eine civitas schreibt (Innocentius et Joannes in c. cura ecclesiarum de officio ordinarii). Es ist aber aus alten und neuen Urkunden bekannt, daß der Papst und der Kaiser an Ulm immer als an eine civitas geschrieben hat. Es heißt eine Stadt auch civitas, weil nicht Felsen und Mauern und Gräben, sondern die Einigkeit der Bürger eine civitas ausmacht (de rescript. communitatum, de sentent. ex communi civitas). In Ulm aber herrscht eine schöne Einigkeit der Bürger. Es wird überdies civitas eine Gemeinschaft genannt, die nach Gesetzen regiert wird, die von dem gegeben sind, der die civitas auflösen und herstellen kann, nämlich von einem Fürsten. So ist aber die Gemeinschaft in Ulm, also ist sie eine civitas.

Auch ein opidum (Stadt), mit einfachem p geschrieben, von ops oder opes abgeleitet, ist Ulm, weil es Hilfe und Schutz seinen Einwohnern leistet und nicht geringe Schätze und Reichtümer enthält. Oppidum überdies mit doppeltem p gleichsam "entgegengesetzt" heißt die Stadt wegen Entgegenstellung der Mauern, weil Mauer gegen Mauer steht; so stehen die inneren Stadtmauern gegenüber den Häusermauern von Innen und gegenüber den Mauern der äußeren Stadtmauern. Nach einem andern heißt oppidum ein ummauertes Stück Land, das keinen Bischof hat, wie Ulm (Bald. 1. I, c. quae sit longa consuetudo). Auch castrum wird die Stadt genannt gleichsam als casa alta (hohes Haus), wie auch das alte Ulm als an einer hervorragenden Stelle gelegen castrum genannt wird; oder auch von castrare (pag. 3), weil in der Stadt die Leute castrantur, d. h. zusammengehalten werden, damit sie nicht beim Umherschweifen gefangen genommen werden.

Sodann kann Ulm auch eine Burg genannt werden wegen seiner starken Befestigung. Daher werden seine Bürger in gewöhnlicher Sprache Burger d. h. Burgherren genannt. Denn nach Unterwerfung Germaniens durch die Römer gründeten die Stämme der Burgundionen in den Lagern (castris) das, wovon sie den Namen erhalten haben, denn castra, oppida und civitates werden Burgen genannt. Auch villa (Dorf) wird Ulm genannt, zwar nicht einfach, weil so ein Dorf genannt wird, das nicht mit Mauern umgeben ist (Bart. post gloss. in l. si heres est viae), sondern es wird villa imperialis Reichsdorf genannt, und dieser Zusatz erhebt Ulm über ein oppidum und civitas, denn es ist eines von den vier Reichsdörfern, auf welchen das Reich in der Karolina Karls IV. gegründet sein soll: diese Dörfer sind Bamberg, Schletstat, Hagenau und unser Ulm. Aber auch Karl l., welcher der Große heißt, sagt in dem Schenkungsbrief, der Ulm dem Abt von Reichenau geschenkt hat: wir geben unser königliches Dorf Ulm zum Geschenk u. s. w., worunter gewißlich nicht ein von allen Seiten offenes, durch keine Mauer abgeschlossenes Dorf zu verstehen ist, sondern ein des königlichen und kaiserlichen Titels würdiger Ort. Und der Einwurf gilt nicht: "Karl I. der Große und Karl IV. nennen Ulm eine villa, also ist es ein unbefestigtes und armseliges Dorf"; denn sie nennen es villa imperialis und regalis (Reichsdorf, Kaiserdorf und Königsdorf). So pflegen auch die Franzosen ihre größten Städte villas zu nennen, z. B. die Stadt Paris, Tours u. s. w. - Ulm wird auch vicus (Dorf) genannt, doch uneigentlich. Denn ein vicus