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Abhandlung von der Stadt Ulm

Bruder Felix Fabris, Druck der Buchdruckerei von Heinrich Frey, Ulm, 1909

Nach der Ausgabe des litterarischen Vereins in Stuttgart verdeutscht von Professor K. D. Haßler.

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Ulm in einem Ulmenwald gegründet hat, können wir finden, wenn wir die abergläubischen Vorstellungen der Alten und andererseits ihre Taten uns in Erinnerung bringen. Die Geschichte der Alten erzählt nämlich, die Amazonen, sehr tapfere aus unserem Böhmen stammende Frauen, haben, als sie unter zornmütiger Führung Asien und nicht den kleinsten Teil von Europa unterworfen hatten, die Gewohnheit ihres verfluchten Aberglaubens gehabt, daß sie an sumpfigen Plätzen zwischen Ulmen und auf Ulmen die Tempel der pfeiltragenden Diana erbauten, in denen sie ihren Gottesdienst nach heidnischem Gebrauch auszuüben pflegten, und sie glaubten, nirgends anders als an sumpfigen Plätzen zwischen Ulmen und in Ulmenhainen können sie die Diana sich versöhnen, von der sie annahmen, daß sie den Mondwagen lenke und überhaupt die Mutter der Gewässer und die Erzeugerin des Kalten und des Feuchten sei, und darum sei auch in sumpfigen Gegenden, nach der Geheimlehre der Mythologie, ihre Verehrung besonders groß. Während sie aber in Kleinasien herrschten, sanden sie an einer Stelle am Meeresufer einen Ulmenhain, in welchem sie über einem Ulmenstamm zum Staunen und zur Bewunderung für alle Völker und Jahrhunderte einen Tempel von wunderbarer Kunst errichteten, und in der Umgebung desselben gründeten sie die große Stadt Ephesus, welche sie zugleich mit dem Tempel zu beständiger Verehrung der Diana weihten, und dieser blieb von da an bis zu den Zeiten der Apostel, wie aus act. 19 sich zeigt, diesem Dienst gewidmet über 2000 Jahre, denn so lange vor der Menschwerdung (Christi) begann die Herrschaft der Amazonen. Es war aber dieser Tempel der Diana so prächtig, daß, als der Perserkönig Xerxes alle asiatischen Tempel mit Feuer verbrennen ließ, er diesen allem verschonte; aber nach einiger Zeit steckte Herostratus, um seinen Namen durch die Erinnerung an das Verbrechen auszubreiten, das edle Bauwerk in Brand, wie er selbst bekannte, aus Begierde, weiteren Ruhm zu erlangen, indem er etwas tue, wodurch das Andenken an ihn bei den Sterblichen fortdauere; aber der Senat (sc. der ionischen Städte) gab den Befehl, daß niemand seinen Namen schriftlich überliefere; aber man gehorchte durchaus nicht, denn bis auf unsere Zeit ist der Namen des tempelschänderischen Menschen gekommen, aber mit Schmach und Schande, gleichwie Neros und des Verräters Judas Namen niemals die Nachwelt verschweigen wird (pag. 10). Aber an der Stelle des verbrannten Tempels erbauten sie einen anderen prächtigeren Tempel, zu dessen Zier die Anhängerinnen der Amazonen ihren Schmuck hergaben, und so wurde er sehr prächtig. Aber nicht nur in Asien führten die Amazonen die Verehrung der Diana ein, sondern an allen im Krieg besetzten Orten, daher gehen sie, nachdem sie Asien unterworfen, nach Europa und verwüsten die blühenden Länder Makedonien, Illyrien und Pannonien und von da kamen sie, nachdem sie in die Alpen eingedrungen, nach Schwaben und brachten die Stadt der Vindelicien jetzt Augsburg, in ihre Gewalt, wie die Chroniken dieser Stadt zeigen. Als sie aber der Plünderung wegen die näheren Gegenden Schwabens durchstreifend an der Stelle, wo jetzt Ulm ist, einen Ulmenhain gefunden hatten, dachten sie, dieser Hain sei für ihren Aberglauben ganz geschickt und weihten ihn alsbald der Diana, indem sie den finsteren Wald einweihten, einen Tempel bauten und zum Priesterdienst Männer verschnitten, zu welchen sie nach der Weise der Verehrung der Diana noch Chöre von Jungfrauen fügten. Überdies besuchten sie die Heiligtümer der Nymphen sowohl bei der Vereinigung der Flüsse als andererseits bei den Höhlen und Verstecken der Quellen in diesem Ulmenwald und luden die gefangenen.