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Abhandlung von der Stadt Ulm

Bruder Felix Fabris, Druck der Buchdruckerei von Heinrich Frey, Ulm, 1909

Nach der Ausgabe des litterarischen Vereins in Stuttgart verdeutscht von Professor K. D. Haßler.

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Gründungen einige Zeichen entweder von ihrem Namen oder ihrem Wappen zurückließen; so hat die von ihnen gegründete Stadt Klingnaw von ihnen den Namen, so die Burg Klingen und Klingaberg und das Kloster Klingental in Klein-Basel und die Burg Klingenstein bei Ulm, von der man glaubt, daß durch die auf ihr weilenden Edeln von Klingenberg Ulm seinen Anfang genommen habe. Zum Zeichen dafür, sagt man, haben sie den Ulmern ihre Abzeichen gegeben: (pag. 14) Wappen, Fahne und Schild, mit zwei sehr edlen Farben, Schwarz und Weiß, geschmückt, welche heute sowohl die Herren von Klingenberg als die Ulmer haben mit den gleichen Farben; doch besteht ein Unterschied darin, daß die Herren von Klingenberg einen mit einem Pflugrad geschmückten Schild samt Turnierhelm und beide Farben ohne Unterschied mit Epheu überzogen, die Ulmer aber über dem Schild einen zum Lanzenstechen und Krieg geschmückten Helm haben und beide Farben gekreuzt ohne Einführung einer anderen Farbe. Einige sagen jedoch, auf andere Weise sei den Ulmern das Schwarz und Weiß von einem Kaiser, nämlich Karl, gegeben worden, der, als er sie dem Abt von Au (Reichenau) zu eigen gab, ihnen die Farben der Kleidung dieser Mönche, Schwarz oben, Weiß unten verlieh. Andere sagen, ein Abt von Au habe ihnen diese Farben zu Ehren seiner Abstammung und zur Erinnerung daran gegeben, daß dieser Abt einer von dem Geschlecht Klingaberg war. Andere sagen, daß, als die Ulmer ihre Stadt mit Mauern umschlossen hatten und die Stadt von Tag zu Tag größer wurde, sie den Kaiser viele Jahre um die Abzeichen einer Fahne und eines Schildes baten, endlich aber der Kaiser, besiegt, ungeduldig das Taschentuch, das er in der Hand trug, in den Schmutz warf, indem er das Tüchlein mit dem Fuß in den Schmutz hineinstieß, dessen unterer Teil jedoch aus Zufall, nicht absichtlich, außen blieb. Indem nun der Kaiser das zum Teil beschmutzte Taschentuch aufhob, hielt er es den Bettenden hin und sagte: "Die Abzeichen! und was sonst verdienen schmutzige Bauern als ein solch schmutziges Abzeichen?" Daher nahmen sie es an, fanden es schwarz und weiß gefärbt und malten danach ihre Fahnen, Schilde und Wappen. Andere sagen, daß zu der Zeit, als die Sueven die Stadt Siena erbauten, wie oben gesagt wurde, die Ulmer durch ihre denkwürdige Anstrengung mit der Zustimmung aller Fürsten verdient haben, die Abzeichen eben dieser Stadt umgekehrt zu tragen. Es haben nämlich die Einwohner von Siena das Weiß oben und das Schwarz unten, die Ulmer aber umgekehrt. -

Wieder andere sagen von dem Namen der Stadt Ulm, daß der Namen ihr deswegen gegeben worden sei, weil darin die Jahreszahl ihrer Gründung gefunden werde, die Stadt hat nämlich MLV, und sei gegründet worden im Jahr MLV, aber ob vor oder ob nach Christi Geburt so viele Jahre verflossen seien, sagen sie nicht; denn wenn sie im Jahr 1055 vor Christi Geburt erbaut worden ist, hat sie ihren Anfang zur Zeit Salomos oder etwas nachher genommen, wenn nach der Geburt, so ist sie zur Zeit Heinrichs des Zweiten *) gegründet worden, (pag. 15), wovon beides Anstände hat, die ich übergehe. Andere halten fest, daß die Stadt Ulm von den latinischen Römern gegründet und nach der Etymologie der Buchstaben und Silben absichtlich so genannt worden sei, worin die bekannte Verfassung einer guten Stadt vollständig enthalten ist: es hat nämlich Ulma 4 Buchstaben, der erste ist u und bezeichnet

*) So haben alle Handschriften, Heinrich II. aber hat 1002-1024, dagegen Heinrich III. 1039-1056 regiert.