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Abhandlung von der Stadt Ulm

Bruder Felix Fabris, Druck der Buchdruckerei von Heinrich Frey, Ulm, 1909

Nach der Ausgabe des litterarischen Vereins in Stuttgart verdeutscht von Professor K. D. Haßler.

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Viertes Hauptstück.

Von der Rangordnung des Volkes in der Stadt Ulm.

Das vierte Hauptstück handelt von der Rangordnung des Volkes der Stadt Ulm und von seiner Einteilung in verschiedene Gesellschaften. Da nämlich die Stadt Ulm voll Volks ist und sehr zahlreich seine Einwohner sind, so daß in dreimal größeren Städten nicht so viel Leute sind, so muß eine Rangordnung sein, da die Menge Verwirrung schafft, wo nämlich eine Menge ohne Rangordnung ist; denn immer findet sich in der Menge Ungleichheit und diese Ungleichheit ruft eine Rangordnung hervor, während unter Gleichen keine Rangordnung sein kann. Daher beweist der Philosoph 1) (4 politicorum), daß ein Staat mit guter Verfassung nicht nur aus einem Teil, d. h. nicht aus gleichen Bürgern bestehen kann, sondern aus mehreren, so daß ein Unterschied unter den Einwohnern ist. Es sind aber in der Stadt Ulm siebenerlei verschiedene Klassen der Bürger, die 7 Stände bilden: es sind gleichsam 7 Säulen, auf welchen das Gemeinwesen der Stadt Ulm ruht, und diese 7 Säulen hat die ewige Weisheit ausgehauen, um sich ein Haus zu bauen, Weish. 9; 2) das Haus, sage ich, dieser holden Stadt Ulm, deren Bürgerschaft in folgende 7 Stände eingeteilt wird:

Erstens die Priester und Mönche, durch die der Staat mit dem Himmlischen und mit Gott verbunden wird.

Zweitens die Adeligen und Geschlechter, durch die er mit den Waffen gewonnen und verteidigt wird.

Drittens die Hervorragenden und Ruhmreichen, durch die der Staat geleitet und regiert wird. (pag. 54. )

Viertens die Ehrbaren und Bescheidenen, durch die er mit Rat und Hilfe gefördert wird.

Fünftens die Geschäftsleute und Erfahrenen, durch die der Staat gemehrt und ergötzt wird.

Sechstens die Arbeiter und Handwerker, durch die der Staat bewahrt und wieder erneuert wird.

Siebentes die Marktleute und Beisitzer, durch die der Staat geschmückt und geziert wird.

Es besteht aber eine schöne Verkettung unter diesen allen, von denen die ersten gleichsam den Kitt bilden, der alle verbindet, die zweiten aber über den dritten in manchen Dingen stehen, in manchen ihnen gleich kommen, so die dritten über den vierten und so weiter, wie sich im einzelnen zeigen wird.

1) Gemeint ist Aristoteles.

2) Veesenm.: Die Stelle ist vielmehr Sprüche 9, 1.