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Abhandlung von der Stadt Ulm

Bruder Felix Fabris, Druck der Buchdruckerei von Heinrich Frey, Ulm, 1909

Nach der Ausgabe des litterarischen Vereins in Stuttgart verdeutscht von Professor K. D. Haßler.

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er der tapferste Mann von allen Griechen und tötete in dem hochberühmten Trojanischen Kriege, nachdem er viele niedergemacht hatte, den Hector und Troilus. Diese Geschichte paßt gut zu der Abstammung mancher Bürger. Denn ehemals wurden zu den Zeiten der Trojaner alle Adelige Götter genannt; Peleus aber, ein Nichtadeliger, jedoch ein erprobter Mann, verbindet sich ehelich mit der Göttin Thetis. Wenn ein Bürger, der als erprobter Mann eine adelige Frau zu haben verdient, eine adelige Frau heiratet, so kommen doch um seiner Tüchtigkeit und seiner Gattin edler Geburt willen alle Adeligen zu der Hochzeit und es findet wegen der Abwesenheit der Zwietracht Friede zwischen den Adeligen und den Bürgern statt; aber dieser ist nicht dauerhaft, weil durch die goldenen Apfel d. h. durch die zeitlichen Güter der Friede zwischen ihnen gestört wird. Die adelige Mutter aber bestimmt, wie Thetis den jungen Achilles in die stygischen Gewässer tauchend weit von sich fortschickte, so den von ihr geborenen Sohn für den Hof von Adeligen, wo er in viel Elend eingetaucht wird und nur die von ihm erlegten Tiere ißt, d. h. den von ihm errungenen Raub genießt und so mit den Adeligen aufgezogen sich in Kriege einläßt und wegen seiner großen Taten als ein ganz Vergöttlichter d. h. Geadelter angesehen wird. Viele Ulmer Bürger also sind solche Achilles, d. h. Adelige von mütterlicher Seite, und wenn sie für ihre Söhne die Ehen mit Adeligen fortsetzen, so werden sie endlich vollständig Adelige. Und diese nennt man gefärbte Adelige, die wir vorher Heroen und Achillesse genannt haben. Sie werden aber Gefärbte genannt, weil sie durch ihre Verwandtschaft mit adeligem Blut gefärbt und durch fortgsetzte Färbung unzweifelhafte Adelige werden. So war David, ein ländlicher Schafhirte, ein Gefärbter, dadurch daß er Michol, des Königs Saul (pag. 65) Tochter erhielt 1 Reg. 1) 18, weshalb er sprach: "wer bin ich oder was ist mein Leben oder Geschlecht meines Vaters in Israel, daß ich des Königs Eidam werden soll?" Also wurde David ein Adeliger und Fürst über das Heer des Königs. Deshalb gingen die alten Ulmer Bürger, prachtliebende Männer, mit den Adeligen Verbindungen ein, indem sie adelige Frauen nahmen, teils um der Erhöhung ihres Geschlechts willen, teils wegen des Rates des Aristoteles, der 2 ethicorum rät, eine adelige Frau zu heiraten, weil auf diese Weife aus einem Nichtadeligen endlich ein Adeliger wird. Denn wie ein nichtadeliges Geschlecht durch die Ehe mit dem Adel erhöht wird, so wird ein adeliges Geschlecht durch eine nichtadelige Ehe und Verbindung erniedrigt, und um dies zu vermeiden gingen die alten Ulmer Ehen mit dem Adel ein. So also wurden sie adelig, außer wenn durch Ehen mit nichtadeligen Frauen ihr Stand erniedrigt wurde. Denn wie Freiherrn und Vornehme durch ihre Frauen und Mütter, die nicht ihrem freien Stand, sondern geringerem Adel angehörten, ihren und ihrer Nachkommen Stand geringer machen (wie gelesen und bemerkt wird in l. neque natales... cap. de probationibus [cod. I. 4 tit. 19], wo es auch heißt: "wenn ich bewiesen habe, daß ich von freiem Stande d. h. frei sei, so ist darum meine Tochter noch nicht als frei bewiesen: denn sie kann ja auch die Tochter einer Magd sein und entbehrt fortwährend für ihre. Nachkommen des Vorzugs des freien Standes, so ist es auch mit den adeligen Bürgern. Wenn daher ein Ratsherr sich mit einer Freigelassenen einläßt, so verliert er seine Würde (ff. [digest. 1. 23 tit. 29 u. 27] de ritu nuptiar. 1. si quis in senatorio). Nicht aber ist es so mit den Königen

1) Das Citat soll heißen 1 Sam. 18, 18. 20-27, wie ja früher die beiden Bücher Samuelis 1. u. 2. Buch der Könige und die beiden Bücher der Könige 3. u. 4. Buch der Könige genannt wurden.