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Abhandlung von der Stadt Ulm

Bruder Felix Fabris, Druck der Buchdruckerei von Heinrich Frey, Ulm, 1909

Nach der Ausgabe des litterarischen Vereins in Stuttgart verdeutscht von Professor K. D. Haßler.

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(pag. 80) beim Sitz und im Zug vor dem einfachen Doktor zu ehren ist (wie Bald. sagt in der Vorrede zu den Digesten über der Überschrift am Ende). Doktoren werden aber Herren genannt, also auch Kriegsleute. Aber auch die Frau eines Kriegsmannes muß, wenn sie will, Herrin (domina) genannt werden (wie es hat Barth. in c. amicissimus [Institut. l. 1 tit. 25] ff. 1 de excus. tutor. et l. donationes [digest. l. 1 tit. 24] c. de donat. int. vir. et exorem). Hieraus erhellt, daß dieser Krafto ein Adeliger und ein Kriegsmann gewesen. Zweitens zeigt das Epitaphium, daß dieser Mann einen hohen Grad von Klugheit und Erfahrung, geschmückt mit der Würde eines ehrenvollen Dienstes gehabt habe: darin, daß es die Bezeichnung "der Alte" und "Schreiber" (scriba antiquus) hat. Denn diese zwei Bezeichnungen schließen Klugheit, Erfahrung und Würde des Dienstes ein. Es war nämlich dieser bedeutende Mann ein bejahrter Gelehrter und kaiserlicher Schreiber. Denn scriba (Schreiber, Sekretär) wird jemand nicht genannt vom Dienst des Schreibens, wie scriptor (Schreiber, Schriftsteller); sondern vom Dienst des Auslegens und Urteilens, wie die Glosse über die Stelle 1 Cor. 1, 1) wo er scriba sagt; denn scriba wird derjenige genannt, der über die Sitten oder Handlungen Vorschriften gibt und der in Sittenlehren das Volk unterweist. Aber obgleich scriba den Dienst des Schreibens bezeichnet, zeigt es doch nicht den jedes beliebigen Schreibenden an, sondern nur dessen, der die Worte aus dem Munde des Königs schreibt, wie die Glosse zu 2. Reg. 8 2) sagt. Deshalb werden im Evangelium gemeinsam scribae (Schriftgelehrte γραμματεις) und principes (Hohepriester αρχιερεις) zugleich gesetzt, wie aus Marci 14 3) und Lucä 22 3) zu sehen ist, weil die Beschlüsse und Befehle der Hohenpriester die scribae aufzeichneten und dem Volke anzeigten. Daraus ist zu sehen, daß diese Bezeichnung scriba aus diesem Epitaphium die Bedeutung des Mannes und den Adel seiner Familie angibt und keineswegs den niedrigen Dienst eines Schreibers, wie einfältige Menschen glauben, die die Bedeutung des Wortes nicht kennen. Denn er war, wie gesagt, ein Gelehrter und deshalb zum kaiserlichen Sekretär (scriba) erwählt worden und dabei bejahrt und viel erfahren. Daher ist nach Job. 4) 12 (pag. 81) bei den Großvätern (senibus Greifen) die Weisheit, und der Verstand bei den Alten (in multo tempore, in langer Zeit). Drittens zeigt dieses Epitaphium bei diesem Mann die aufrichtigste Liebe zur Religion in denkwürdiger Wirkung, indem er unser Gründer genannt wird. Denn wenn er nicht von großer Liebe zur Religion beseelt gewesen wäre, so hätte er gewiß nicht soviel Geld bei der Gründung unseres Klosters aufgewendet. Bei dieser Gründung stiftete er sich und seiner Familie in dieser Welt ein immerwährendes Gedächtnis und verdiente ewigen Ruhm. Von diesen Krafften ging einer nach Schweden und war, von der hl. Brigitte zu ihrem Diener erwählt, ihr beständiger Begleiter auf ihrer Reife nach Rom und Jerusalem. Nach dem Tod aber der heiligen Frau wurde als Zeuge ihrer Heiligkeit durch die Freunde der hl. Brigitta dieser Krafft mit einem andern Adeligen aus der Familie der Ruch nach Rom geschickt. Und so schrieb der Papst Bonifacius nach Anhörung der Zeugen sie als Heilige in das Verzeichnis der Heiligen und schickte den Krafft samt seinem Mitknecht mit erhaltenem Schreiben an den Fürsten von Schweden zurück,

1) Wohl 1 Cor. 1, 20: ubi saliens? ubi scriba? (^[γραμματευς]) ubi conquisitor saeculi istius? Wo sind die Klugen? Wo sind die Schriftgelehrten? Wo die Weltweisen?

2) Ist 2 Sam. 8, 17.

3) Marc. 14, 1. Luc. 22, 2. 4) Hiob 12, 12.