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Abhandlung von der Stadt Ulm

Bruder Felix Fabris, Druck der Buchdruckerei von Heinrich Frey, Ulm, 1909

Nach der Ausgabe des litterarischen Vereins in Stuttgart verdeutscht von Professor K. D. Haßler.

Schlagworte auf dieser Seite: Lewen

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Lewen.

Die herrliche und alte Familie der Löwen in der Stadt Ulm kam mit andern Adeligen nach Ulm. Denn vorher, als die Familie zahlreich war, hatte sie ihre Wohnsitze in den äußersten Teilen der Alpen in den Gegenden von Cadubrium 1) und Goricia; und von hier aus dienten die adeligen Löw, in den Waffen geschickt, unter den Grafen der vorgenannten Gegenden; und es ist nicht anzunehmen, daß ihr Name so edel und ihr Wappen so ausgezeichnet wäre, wenn es nicht durch wackere Taten dieser Familie erworben worden wäre. Einer von diesen Löw verließ die Alpen und suchte den Hof der Herren von Helfastein im Schwäbischen auf, ihnen in den Waffen dienend; es war nämlich zur damaligen Zeit der Hof der Grafen von Helfastein wie der von Fürsten, und auch Vornehme dienten ihnen. Dieser Löw aber leistete seinem Herrn gute Dienste und verdiente, die Vogtei der Burg Giengen zu erhalten, welche noch nicht eine Reichsstadt war, wie heute, sondern nur eine Burg der genannten Grafen. Auf dieser Burg also hatte dieser Löw (pag. 91) mit seiner Frau mehrere Söhne und nahm also an Kindern und Reichtum sehr zu. Von seinen Söhnen aber wohnten einige in Ulm, andere blieben in Giengen; diese verließen aber endlich auch ihren Platz und zogen nach Ulm; und so führte dieses Doppelgeschlecht den Ulmern doppelte Löw zu, gleichsam zwei gesonderte Stämme, doch mit einem Wappen und Namen bis auf den heutigen Tag. Diese Löw gingen mit Adeligen Ehen ein und behaupteten ihren Stamm lange Zeit adelig, und von ihnen wurden auch andere Bürgerfamilien gebessert und erfreuen sich heute noch eines vornehmeren Adels. Denn in unserer Zeit erhielt der edle, wehrhafte Johannes von Clam, als er nach Ulm kam, die Frau Elisabeth, Tochter des bedeutenden Herrn Georius Lew, zur Gattin; mit dieser hatte er vier Töchter, Ursula, Magdalena, Felicitas und Susanna, welche an Bürger verheiratet deren Familien adelten. Die erste nämlich machte die Kraft und Ehinger, die zweite die Ungelter, die dritte die Geßler und die vierte die Rot besser: denn die erste hatte zwei Männer und ist mit dem zweiten noch heute auf Erden, die zweite aber hat mit ihrem Mann durch den Tod den schuldigen Tribut der Natur bezahlt, die dritte steht noch heute in ihrer Ehe; aber die vierte, nämlich die Frau Susanna, in ihrer Jugend von ihrem Mann verlassen, hat die Frucht eines besseren Lebens erwählt, hat eine zweite Heirat verweigert, zum Witwenstand sich bekannt und dient heute im heiligsten Dienste Gott, und ist Jungfrauen, Verheirateten und Witwen durch ihr Leben und ihre Sitten ein Muster von Tugenden geworden. Alle Familien der Ulmer adelnd hat diese Familie der adeligen Clamar ihren Ursprung in den Gebirgen, welche die Talschlucht von Trient einschließen, wo heute auf einem Berge die Ruinen einer sehr alten Clam genannten Burg über der Etsch ragen, die nach unserer Ansicht zu der Zeit erbaut wurde, als Trient, wie oben erklärt worden, von den Trojanern gegründet und von den trojanischen Clamar in Besitz genommen war. Von dieser Familie hatte Ulm einen ausgezeichneten Mann, den Herrn Leutpriester Jodocus Clamer, einen ganz vortrefflichen Theologen und Doktor beider Rechte, der aufs vorteilhafteste das Volk in Ulm im Jahr des Herrn 1460 leitete, wo er auch starb. Die Familie der Löw also, von der jetzt die Rede ist, lieferte den Ulmern (pag. 92) lange Zeit ausgezeichnete Bürgermeister, wackere Richter, Ratsherren und Inhaber hoher Ämter.

1) Veesenm.: Cadore an der oberen Piave in Friaul; Goricia = Görz.