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Abhandlung von der Stadt Ulm

Bruder Felix Fabris, Druck der Buchdruckerei von Heinrich Frey, Ulm, 1909

Nach der Ausgabe des litterarischen Vereins in Stuttgart verdeutscht von Professor K. D. Haßler.

Schlagworte auf dieser Seite: Die erste und größte Zunft; Von den einzelnen Zünften

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bitten, daß man felbe ihnen zu Pflegern bestelle. Solcher haben die vom Predigerorden (die Dominikaner) zwei, einen aus den Zünften und den andern aus dem Rat.

Ferner wählet der Rat einige der ihren, die außerhalb der Stadtgemein den kleinen Städten, Höfen und Burgen vorstehen und die heißen Vögt der Herrschaften oder Burgvögt.

Außer diesen gibt es noch viele ehrenvolle und nützliche Ämter, in der Stadt und außerhalb, als da sind die Bauherren oder Werkmeister, die Feurgeschworne, die Barchet- und Leinwandschauer, und noch viel solche andere.

Unter den Ämtern allen sind einige die ein Jahr lang dauern, einige, die einer so lang inne hat als er sie gut versieht; einige die oftmals, ja sogar jeden Monat können gewechselt werden, wie die Einunger, von denen zwei zum kleinen Rat gehören, vor welche ganz absonderliche Streitigkeiten gebracht werden, und solche, die man geheim will halten und die anstößig sind, zu Zeiten zwischen Mann und Frau. Gar mancherlei haben die zu hören; die kleinen Sachen richten sie aus, die großen aber, wo ein merklicher Mangel ist für den Spruch, bringen sie vor den Rat.

Wenn nun aber einer wollte von gar aller Ordnung in der Ulmischen Burgergemein reden, der müßte ein groß Buch zusammen schreiben.

Kap. 1.

Von den einzelnen Zünften.

Da der größere Teil der Ulmer Bürgerschaft und Gemeine aus der Zahl der Zünftigen besteht, auf welchen auch das Gemeinwesen beruht, deswegen will ich hier die Anzahl der Zünfte mit der Verschiedenheit der Handwerke in ihnen anführen. Es sagen aber die alten Ulmer, daß es ehemals keine Zünfte gegeben habe, sondern daß sie durch Karl IV. zur Ordnung des Gemeinwesens eingeführt worden seien (pag. 134). Ich glaube nämlich und aus dem Gesagten ist zu ersehen, daß einst Ulm eine ruhige Stadt, eine Wohnung der Adeligen und ein Gütchen der Mönche war; und damals war eine Unterscheidung der Zünfte nicht nötig. Aber nachdem Ulm zu einer Stadt des römischen Reiches erklärt und ein Stapelplatz der Kaufleute geworden und gleichsam für die Herrin der Gaue von Schwaben gehalten und vergrößert und reich geworden war, so war es nötig, eine Ordnung und Unterscheidung der Zünfte festzusetzen. Es wurde aber die Unterscheidung der Zünfte nicht nach der Zahl der Handwerke gemacht, weil es allzuviele Zünfte geworden wären, sondern nach dem Belieben derer, die sie aufstellten, wurden sie dem Bedürfnis ihrer Zeit entsprechend angeordnet. Ich glaube aber, wenn sie jetzt aufzustellen wären, so würde eine andere Ordnung als die bestehende festgesetzt werden.

Die erste und größte Zunft ist die der Kramer. Diese Zunft enthält eine große Zahl nicht nur von Krämern, sondern auch von Handwerkern, die in verschiedenen Handwerken arbeiten, sie hat auch einige, die weder Handelsgeschäfte noch Handwerke treiben, sondern wie Junker leben, wie z. B. die Bitterlin, einige reine Krämer, wie die Öten, Bruwarten, Bremer, Wirtaberger, Nübrunner, einige Handwerker wie die Lidafrosth u. s. w. In dieser Zunft sind alle, die in Buden (pategis) oder Läden wohlriechende Gewürze, Salben, Pulver und verschiedenes andern verkaufen, die ferner ganze Tücher verkaufen oder mit der Elle messen, die man