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Abhandlung von der Stadt Ulm

Bruder Felix Fabris, Druck der Buchdruckerei von Heinrich Frey, Ulm, 1909

Nach der Ausgabe des litterarischen Vereins in Stuttgart verdeutscht von Professor K. D. Haßler.

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Konrads an, der im Jahre des Herrn 1139 lebte (reg. 1138-1152), bis zum Jahr des Herrn 1300 war Ulm ohne Mauern gleichsam ein Dorf (villa) gewesen. Die Bürger also faßten Mut, guben ringsherum tiefe Gräben und führten eine Mauer mit Türmen darum auf, indem sie das Wasser der Blatt in Gräben (pag. 141) hinein- und ringsherumführten; und diese Arbeit wäre genügend für ein Geschlecht gewesen. Die Alten sagen aber, daß dies in größter Eile geschah und alle Bürger, Adelige und Nichtadelige, Männer und Frauen das Werk betrieben, weil die Not, wie sich zeigen wird, sehr drängte. - Ein anderes Werk war gleich mit diesem begonnen worden, fürwahr ein großes und herrliches. Denn weil sie von der Furcht vor einer Belagerung der Stadt gedrängt die Stadt befestigten, verlegten sie auch ihre Pfarrkirche selbst, die außerhalb der Stadt war, herein, damit sie sicher in der Kirche sein könnten, und legten das Fundament einer wunderbaren und großen Kirche, indem sie uns den auf eine Karte gezeichneten Aufriß einer Kirche hinterließen, die sie selbst in großartigem Sinn zu bauen beschlossen hatten. Diese Karte zeigt freilich eine viel kostbarere Kirche als die ist, an der wir heute arbeiten, weil die Neueren in ihrer Kleinlichkeit nicht wagen, die Absicht der Alten auszuführen und täglich vieles, was auf die Kostbarkeit und den Schmuck des Baues hinzielt, weglassen. Als sie mit diesen Werken beschäftigt waren, kam über sie ein anderes, allzu mißliches und schweres Ungemach. Ludwig der Bayer nämlich, der sich der Reichsgewalt bemächtigt und den der Papst 1) mit allen seinen Anhängern in den Bann getan hatte, kam nach Ulm, und als die Ulmer ihn anfangs nicht aufnehmen wollten, belagerte er die Stadt mit seinem Heere. Als aber einige Fürsten ins Mittel traten, nahmen sie ihn auf, und so ließ er von ihnen ab. Nicht lange nachher kam ein zweiter Bayer, Heinrich, ein Verwandter des ebengenannten Ludwig, dem der Papst die Kaiserwürde übertragen und auch die Kardinäle, der König von Böhmen und der König von Frankreich zugetan waren, nach Ulm mit einer Menge Bayern und verlangte von den Ulmern, daß sie auf seine Seite treten follen; aber da er nichts ausrichtete, hob er die Belagerung auf und zog ab, und bald darauf wurde er aussätzig und starb. Sodann nach wenigen Jahren schloß Karl IV., der gegen Ludwig den Bayer gewählt und bestätigt worden war, auch Ulm mit einem starken Heer ein, zog aber ab, ohne daß er den Erfolg einer Eroberung der Stadt gehabt hatte. Bei diesen Belagerungen erlitten die Mauern oder Türme der Stadt Ulm keine Gewalt, sondern es wurde nur die Forderung gestellt, Freundschaft zu schließen. Dies alles erreichten die Ulmer mehr durch ihre Tüchtigkeit, hochherzigen Sinn und Klugheit, als durch Kriege und Waffen. Um diese Zeit beunruhigten die Herzoge von Bayern, von Österreich, von Teck und die Grafen von Wirtenberg die Ulmer auf verschiedene Weise, während diese unermüdet bei den von ihnen begonnenen Werken der Mauern und Türme der Stadt und der Kirche der hl. Jungfrau verharrten, wie einst die Kinder Israel unbesorgt um die Anfechtungen der Heiden die Mauern und Türme von Jerusalem und den Tempel bauten, wie bekannt ist (pag. 142).

Zu derselben Zeit etwa, als es den edlen Grafen von Helfastein an Mitteln fehlte, fiel nach vielen Umwälzungen und Veränderungen die Burg Helfastein mit der Stadt Geislingen und diese ganze Herrschaft in der Länge und Breite mit ihren Dörfern, Burgen, Höfen, Besitzungen und allen Zöllen den Ulmern zu, die für dies alles eine große Summe Goldes den eben genannten Grafen zahlten. Bei diesem Kauf wurde durch die Hinterlist der Neider dreimal die

1) Johann XXII.