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Abhandlung von der Stadt Ulm

Bruder Felix Fabris, Druck der Buchdruckerei von Heinrich Frey, Ulm, 1909

Nach der Ausgabe des litterarischen Vereins in Stuttgart verdeutscht von Professor K. D. Haßler.

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Grafschaft den Händen der Ulmer entrissen und immer wieder mit einem gewissen Schwanken ihnen zurückgegeben, bis der Vertrag durch den Papst und die Kirche, durch den Kaiser, die Kurfürsten und den Adel des Vaterlandes genehmigt und mit den Siegeln aller bekräftigt war, so daß auf keine Weife jemand mehr sich widersetzen kann. Hierauf kamen die erlauchten Grafen von Werdaberg, die von den unseligen Juden, die sich in Ulm aufhielten, Geld auf Zinsen aufnahmen, in solche Schulden, daß sie aus Mangel an beweglichen Unterpfändern unbewegliche Pfänder geben mußten, weshalb die edle Grafschaft Albegg mit der Burg und der Stadt und allem Zugehörigen den Juden verpfändet stand, und nun arbeiteten sie beim Kaiser dahin, daß sie die Herrschaft und die Burg, die nun ihnen gehörten, um in den Genuß ihrer Zinsen zu gelangen, bewohnen und in Besitz nehmen könnten. Sobald dies die Ulmer erwogen, kauften sie diese Grafschaft aus den Händen der Juden los und besaßen sie bis aus diesen Tag. Es wird aber gemeinhin gesagt, daß ein Graf von Werdaberg diese Grafschaft für Lebkuchen 1) aufgezehrt habe. Er empfing nämlich fortwährend in Ulm bei Zahlungen statt Geld Lebkuchen und seine Schuld wuchs so sehr, daß er sie nur durch den Verkauf der Grafschaft bezahlen konnte. Indessen kam auch zu derselben Zeit die ganze Herrschaft Hochberg mit den Städten. Rotenburg und Horw samt ihren Burgen und Dörfern in die Hände der Ulmer, und viele Jahre besaßen sie diese, bis ein Herzog von Österreich sie wieder kaufte. Wie aber diese Herrschaft in die Hände der Ulmer gekommen und wann sie zurückgekauft worden sei, zeigt die Chronik der Ulmer. So also kauften die Ulmer trotz sehr bedeutender Kosten, die sie auf den Bau der Befestigungen ihrer Stadt, auf die Errichtung der großen Kirche (pag. 143) der hl. Jungfrau und aus die Verteidigung gegen ihre Feinde ringsum verwendeten, große Herrschaften und die edelsten Grafschaften. Daher nannte nach dem Kauf von Helfastein die Frau Gräfin von Helfastein, die auch Königin von Ungarn war, bei jeder Rede, wann sie der Ulmer Erwähnung tat, die Ulmer ihre Kinder und sagte: meine Kinder, die Ulmer, sagen dies oder tun das. Und wenn man fragte, warum sie die Ulmer ihre Kinder nenne, sagte sie: sie werden meinen Mann und mich beerben. Und so geschah es auch.

Das fünfte und letzte, auch zur damaligen Zeit ein Werk von großer Schwierigkeit, griffen damals die Herren von Ulm mit männlichem Sinn an. Da nämlich die Ulmer noch unter der Gewalt der Mönche von Reichenau standen und, wie oben gesagt worden ist, Tag um Tag die Mönche ihre Rechte, Güter, Steuern und Zölle an die Ulmer verkauften und große Schulden machten, suchten die Ulmer Wege, wie sie von den Mönchen gänzlich sich befreien könnten. Als die Ulmer diese Wege nach wiederholter Exkommunikation gefunden hatten, kauften sie mit Zustimmung des Papstes, der Kirche und des Kaisers alle Rechte des Abtes von Au in Ulm und außerhalb Ulms auf vier Meilen mit allen Gütern und allem Zugehörigen und zahlten dem Abt in barent Geld 24,000 Gulden. Und wenn dieser Vertrag und die Zustimmung der Kirche einen Monat hinausgeschoben worden wäre, so hätte der Abt kaum 2) 100,000 Gulden für diese nun verkauften bedeutenden Rechte erhalten, weil seine Augen erhellt worden waren. Der Abt zog nun, nachdem er das Geld erhalten hatte, so von Ulm ab, daß auch nicht eine Klaue, die sein gewesen wäre, darin zurückblieb, während doch das

1) Pro lebetis.

2) Soll wohl heißen "leicht."