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Abhandlung von der Stadt Ulm

Bruder Felix Fabris, Druck der Buchdruckerei von Heinrich Frey, Ulm, 1909

Nach der Ausgabe des litterarischen Vereins in Stuttgart verdeutscht von Professor K. D. Haßler.

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in der Ferne ist; es war einst ein verabscheuungswürdiger Heidentempel, dann eine schreckliche Burg, ist aber jetzt durch Gottes Gnade ein verehrungswürdiges, liebliches Kloster. Über dieses ist, wenn man mit dem ersten Anfang beginnt, sechserlei zu sagen: erstens, wie seine natürliche Lage ist; zweitens, was für ein heidnischer Götzendienst ehemals daselbst gewesen; drittens, ein wie großer weltlicher Mißbrauch dort geherrscht hat; viertens, wann und durch wen ein Gottesdienst daselbst eingerichtet worden ist; fünftens, wie dann der Stand der Religion daselbst abgenommen hat; sechstens, wie dort jetzt eine berühmte Vereinigung in tiefster Frömmigkeit blüht.

Zuerst muß man bei der Betrachtung der natürlichen Lage dieses Ortes Rücksicht nehmen auf den Namen des Ortes, der in seiner Erklärung die Beschaffenheit des Ortes darlegt. Er heißt nämlich Elchingen oder Eichlingen oder Eichklingen, Namen, die sich alle finden und auf dasselbe hinauslaufen, und meines Erachtens war der letztgenannte, Eichklingen, der erste, der zweite war Eichlingen, und der erste, Elchingen, war durch Verderbnis und Verstümmelung des Volkes gebildet worden und ist jetzt zuletzt in Gebrauch. Denn Eichklingen ist ein gewöhnliches deutsches Wort, zusammengesetzt aus den beiden Wörtern Eich und Klingen und bedeutet einen Eichenhain. Daher schließen wir nach sicheren Vermutungen, daß vor jeder Wohnung von Menschen an dem Ort daselbst auf diesem Berg und den Tälern ein schrecklicher Eichenwald gewesen und der Berg Eichklingen genannt worden sei. Der zweite Name bedeutet das Gleiche: bei ihm hat das Volk einen Buchstaben weggelassen, und der Ort wird Eichlingen genannt als ein Ort mit allerlei Eichen (Stieleichen und Steineichen, quercuum et licum). Der dritte Name, den der Ort heute hat, gibt in Verbindung mit den zwei vorangehenden die erste Beschaffenheit des Ortes an und weist dann die Tätigkeit der Menschen der ältesten und ersten Zeit an dem Ort nach. Denn seitdem der Schöpfer der Welt hier zuerst einen Eichenhain pflanzte, kanten die Menschen der ersten Zeit, deren Speise Eicheln waren, vie Isidorus im 14. Buch seiner Etymologien und der Dichter sagt:

Mortales primi ructabant gutture glandes

(Eicheln schlangen die ersten der Menschen hinab in die Kehle)

in diesen Hain und lasen (eligebant) nach Belieben Eicheln, und dies scheint vielleicht ohne die Absicht des Volkes dieser Name Elchingen anzugeben, welcher so klingt, wie wenn er von eligere herkäme. Oder wenn wir lieber der Erklärung aus dem Hebräischen folgen wollen, so bedeutet nach Hieronymus Elchim "zu Gott aufsteigend und Gottes Besitz"; so steigt der Berg Elchingen zu Gott auf, daß er ihn als seinen Besitzer annehme. Es ist also Elchingen oder Eilchingen der Name des Berges, und dieser Berg ist hervorragend, überall von Tälern umgeben, (pag. 154) und es steht niemanden der Zugang zu dessen Gipfel offen, außer wenn er von einem Tal hinaufsteigt. Doch ist seine Höhe mäßig, und er ist weder durch allzugroße Steilheit widerwärtig, noch wird er wegen zu geringer Höhe verachtet. Und obgleich er nicht durch seine eigene Masse sehr hoch ist, so ist er doch durch seine Lage in der Gegend sehr hervorragend. Daher sieht man von jeder Seite gegen diesen Berg herankommend von ferne einen Gipfel über alle Berge dieser Gegend hervorragen. Dieser ganze Berg ist feucht und sumpfig, und es entspringen überall auf ihm Gewässer, die er aus der Tiefe nach oben zieht. Auch scheint er der Phantasie aus den Gewässern sich zu erheben und sein Fuß scheint in unterirdischen Gewässern festzustehen und das Gewicht einer solchen Masse aus den Gewässern