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Abhandlung von der Stadt Ulm

Bruder Felix Fabris, Druck der Buchdruckerei von Heinrich Frey, Ulm, 1909

Nach der Ausgabe des litterarischen Vereins in Stuttgart verdeutscht von Professor K. D. Haßler.

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nend verehrt wurde und dem nachher Berge fast in allen Gegenden geweiht wurden. Daher haben heute viele Berge den Namen Jupitersberg. Besonders jedoch waren waldreiche Berge den Alten verehrungswürdig. Daher lesen wir oft, daß sie an Orten, wo keine Wälder waren, Haine pflanzten, um im Schatten des Laubes zu opfern. Auch lehrten sie, daß man unter jedem laubreichen Gehölz den Gottheiten dienen müsse, ein Gebrauch, der, wie wir lesen, oft den Juden vorgeworfen und verboten wurde. Und weil die Eichen durch die Dichtigkeit ihrer Zweige, durch die Breite ihrer Blätter und die Menge ihrer Eicheln schattig, außerdem hoch und sehr alt sind, deshalb waren in den Eichenhainen die bedeutendsten Opferdienste von den Alten eingerichtet worden, und den Anlaß hiezu gaben die ersten Menschen, die keine andere Speise kannten als die Eicheln, die Früchte der Eichen, welche, wie der oben erwähnte Isidor und die Dichter sagen, zuerst von ihnen gefunden wurden. Daher verehrten sie, Eicheln nagend und so ihren Hunger stillend, die Bäume selbst als ihre Götter. Aber als Jupiter kam (pag. 156), wollte er, daß ihm die Ehre erwiesen werde, indem er sagte, er sei der Gott der Bäume. Daher wird in einer Gegend von Chaomia 1) ein waldreicher Berg voll von Eichen, namens Dodona, als ein dem Jupiter heiliger Tempel angesehen, von dem Ovidius 2) sagt: et quae deciderant patula Jovis arbore glandes und von Jupiters breitem Baume gefallen, die Eicheln.

Denn zu diesem Berge kamen von weitentfernten Teilen der Welt die Menschen und befragten unter den Eichen stehend die Orakel der Götter, und einige Tauben, die auf alten Eichen saßen, antworteten, wie von Jupiter gesandt, auf die Fragen. So wurden denn nirgends leichter als in Eichenhainen die Orakel Jupiters gefunden, dem besonders die Eichen geweiht waren. Denn er wollte als der höchste Gott verehrt werden, und hatte bestimmt, daß seine Tempel, Statuen und Bilder nur aus Eichenholz gemacht werden, welches das stärkste, lange Jahrhunderte dauernde und deshalb zum Bau von Tempeln passendste ist. Daher auch des Jesaja 3) Angriff auf die Künstler von Bildern aus Eichen- und Cedernholz. Daher dauerte bei den Heiden die Verehrung der Bäume, Haine und Wälder fast bis in unsere Zeit auch in Europa,

wie oben erwähnt ist. Aber auch die heilige Schrift scheint der Göttlichkeit der Eichen zuzustimmen; denn Abrahams Wunder bei der Eiche Mambre waren große Geheimnisse. Außer dem Gesagten heiligte der törichte Wahn der Alten die Berge den Oreaden-Nymphen; und wenn die Berge bewaldet waren, verbanden sie mit den Genannten die Dryaden-Nymphen (Baum-N. ); und wenn sie zugleich wasserreich waren, gesellten sie zu den genannten die Najaden-Nymphen (Quell-N. ) Aus diesem allem erhellt, daß der Berg Elchingen einst den Göttern geweiht und ohne Zweifel verehrungswürdig gewesen sei. Und zwar erstens weil dort die Eicheln, die als Speise der Waldmenschen gelesen wurden, für besser galten, weshalb sie den Berg gleichsam als Wohnsitz ihrer Götter d. h. der Eichen für heilig hielten. Zweitens war er dem Jupiter von Dodona oder dem olympischen Jupiter teils wegen seiner Eichen teils wegen seiner Höhe geweiht. Wie wir denn oft lesen, daß der heilige Benedikt die Tempel Jupiters und Apollos von den Bergen herabgestürzt habe. Aber daß dieser Berg auch den Faunen, den

1) Chaomia, der nordwestlichste Teil von Epirus. Dodona wird sonst zu Molossis, östlich von Chaomia, gerechnet.

2) Metam. 1, 106.

3) Jes. 44, 14