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Abhandlung von der Stadt Ulm

Bruder Felix Fabris, Druck der Buchdruckerei von Heinrich Frey, Ulm, 1909

Nach der Ausgabe des litterarischen Vereins in Stuttgart verdeutscht von Professor K. D. Haßler.

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ihnen den Ort kraft apostolischer Vollmacht anwies und gute Werke nach den Regeln des verewigten Benedikt zu verrichten befahl, indem er ihnen mit derselben Vollmacht vorschrieb, daß sie zum Zeichen der unmittelbaren Unterstellung unter den apostolischen Stuhl alle Jahre auf ewige Zeiten nur ein Goldstück nach Rom in den Schatz des Papstes schicken sollen. Und damit die Erinnerung an diese Tat ewig bleibe, ließ der Papst eine Bulle von Blei anfertigen, in der er die genannte Schenkung bestätigte, und unterstellte diesen Berg mit seinen Wohnungen und Menschen unmittelbar dem apostolischen Stuhl und verhinderte so streng er konnte, daß niemand mehr sich wegen dieses Ortes einmischte. Wenn aber jemand in vermessener Wagnis dies unternehmen und künftig das Kloster zu beschweren versuche, so wünscht der Papst demselben den ewigen Fluch und Unwillen Gottes und der Apostel Petrus und Paulus und verstrickt ihn so hart als möglich mit dem Bande der Verfluchung. Und weil der oberste Priester zu Rom nicht persönlich an dem Ort zugegen sein kann, um ihn selbst vor bösen Menschen zu bewachen, so vertraute er diesen Berg und das Kloster dem Kaiser des römischen Reiches an, indem er ihm befahl, den Ort vor Übermütigen zu schützen. Diesen Schutz übten lange Zeit die Kaiser selbst aus, manchmal aber übertrugen sie ihn in ihrer Abwesenheit benachbarten Grafen, z. B. den erlauchten Grafen von Helfastein, die damals in Schwaben mächtig waren und an der Stelle des Kaisers dieses Kloster schützten, aber nicht regierten und nicht die Herren oder Verwalter des Klosters waren, sondern nur stellvertretende Schutzvögte, und dieser Schutz war auch manchmal anderen als den Herren von Helfastein vom Kaiser anvertraut worden. Aber weil die Kaiser dem Kloster manchmal Schirmvögte gaben, die den Herren und den Mönchen weniger angenehm und unnütz waren, so erlangten sie vom Kaiser das Privilegium, daß der Abt mit den Seinigen Schirmvögte wählen konnte, die ihnen freundlich und nützlich waren. Daher zerstörten die an den Ort gesetzten Mönche den babylonischen Turm, die Burg der Räuber, die Höhle der Tyrannen, den Bau des Teufels von Grund aus und errichteten an dessen Stelle eine Kirche mit einem hohen Glockenturm, daß die Christgläubigen, die früher die mit Abzeichen der Tyrannen geschmückte Burg mit Angst zu betrachten und das Geschrei der Wächter und das Lärmen der auf der Lauer Liegenden mit Schrecken zu hören pflegten (pag. 162), nun am Anblick des Turmes mit dem Zeichen des Kreuzes sich erfreuten und die Sicherheit erhielten, daß sie nach dem Klang der Glocken zu himmlischen Lobpreisungen emporsteigen. Sie bauten aber an die Kirche ein großes Kloster, eine Wohnung vieler Knechte Gottes, zu deren Unterhalt auch weiter entfernte Fürsten und Edle ihre Güter beisteuerten. Denn in dem Baceniswald, den wir Schwarzwald nennen, hatten sie nicht wenige Dörfer, Höfe und Besitzungen in dem Gebiet des Klosters des heiligen Blasius, das in demselben Walde liegt, und dasselbe Kloster hatte mehrere Besitzungen im Gebiete der Elchinger. Darum kamen im Jahr des Herrn 1150 die Gründer beider Klöster, einige Fürsten und viele Edle in dem Dorf Naw 1) zusammen und teilten die Dörfer, Höfe und Besitzungen der genannten beiden Klöster, und das, was in der Nachbarschaft der Elchinger dem heiligen Blasius gehörte, wiesen sie den Elchingern zu und dagegen das, was in der Nähe des heiligen Blasius den Elchingern gehörte, sollte nach ihrer Anordnung dem hl. Blasius gehören, damit nicht die Väter beider Klöster genötigt würden, weite Fahrten zu unternehmen, um danach sehen zu können. Dieser

1) = Langenau.