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Abhandlung von der Stadt Ulm

Bruder Felix Fabris, Druck der Buchdruckerei von Heinrich Frey, Ulm, 1909

Nach der Ausgabe des litterarischen Vereins in Stuttgart verdeutscht von Professor K. D. Haßler.

Schlagworte auf dieser Seite: Von dem Kloster Roggenburg

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Aber so fromm, friedlich und verständig benahm sie sich, daß sie im folgenden Jahre nach Ablegung des Ordensgelübtes (pag. 170) zur Priorin erwählt wurde. Sie begann aber nicht säumig zu handeln, sondern unablässig den Fortschritt des Klosters in geistlichen und zeitlichen Dingen zu betreiben, und das Werk geriet wohl in ihrer Hand, und die alten längst verkauften Güter des Klosters wurden zurückgekauft, die Schulden bezahlt, die Ruhten wieder aufgebaut und alles Einzelne in besseren Stand zurückgebracht. Viele Widerwärtigkeiten jedoch mußte bei allem dem die verständige Jungfrau aushalten; aber sie machte sie mannhaft durch und behauptete sich unabhängig bis auf diese Stunde, 1) und Jesus Christus, ihr Verlobter, möge sie auf lange bei ihrem verdienstvollen Wirken erhalten. Sie möchte ich nicht unpassend die zweite Gründerin dieses Klosters nennen, die das fast zerfallene wiederherstellte, und wenn nicht sie gekommen wäre, hätten wahrhaftig die Reformatorinnen selbst nicht bleiben können. Und so wurde die Verödung dieses Klosters durch ihren Eintritt verhindert. Durch ihren Eintritt aber bewogen eilten viele Jungfrauen in Ulm, auch vom Adel des Landes und von den Geschlechtern von Ulm, ihr zu folgen, und mehrere von ihnen traten mit reichem Vermögen bei ihr ein, andere wurden in Medingen aufgenommen, andere eilten wieder an andere Orte. Und so kanten fett dem Eintritt der genannten Schwester Margaretha so viele Jungfrauen mit solchem Vermögen von Ulm in die Klöster, daß es kaum jemand glauben würde, wenn ich sie aufzählen wollte. Diese zwei Klöster Medingen und Medlingen nun wurden einst vom apostolischen Stuhl mit vielen Privilegien begabt, für die sie noch heute Bullen von Blei haben.

Kap. 5.

Von dem Kloster Roggenburg.

Auf der Ostseite der Stadt Ulm sind, wie oben gezeigt wurde, mehrere Klöster. Von zweien jedoch werde ich nur kurz reden (pag. 171). Das Prämonstratenser-Kloster Roggenburg war fünf Jahre nach dem Kloster Ursperg im Jahr des Herrn 1130 auf Kosten des erlauchten Grafen Berchtold von Byberegg und seiner Frau, der Frau Demuot von Hochenzorn 3) gegründet worden; diese vermachten dem Kloster alle ihre Güter und ihre Burg, die vorn und auf der Seite stand, wo jetzt ein mit Bäumen bepflanzter Garten ist. Dieses Kloster reinigte und bereicherte gar sehr der ehrwürdige Herr Ioannes Türing, der erste Abt des Klosters, vor dem es früher nur Pröbste oder Prioren gehabt hatte. Von der Zeit an aber, wo die Adeligen herunterkamen, war durch die Kaiser den Ulmern der Auftrag gegeben worden, daß sie des Klosters Schirmvögte sein sollten. Neuestens aber im Jahr des Herrn 1479 nach dem Tode des hochberühmten Herzogs Ludwig von Bayern versuchte sein Sohn Herzog Georg, gegen die Ulmer aufgebracht, dieses Kloster in seine Obhut zu nehmen und den Ulmern die ihnen von den Kaisern übertragene Schutzvogtei wegzunehmen, und in dieser Sache fanden viele Tagfahrten

1) Die hier in den Handschriften (außer in der ersten Münchener sowie in Goldasts Drucken) folgenden Worte: Gestorben ist diese Mutter Margaretha Schleicherin im Jahre des Herrn 1502 am Tage der Heimsuchung Mariä - unterbrechen den Zusammenhang und sind als ein Einschiebsel von späterer Hand zu betrachten. Von Felix Fabri können sie unmöglich herrühren, da dieser am 14. März 1502 gestorben ist, also vor Margaretha Schleicher, als deren Todestag hier Mariä Heimsuchung (= 2. Juli) 1502 angegeben ist. Vgl. Nestle in den württ. Vierteljahrsheften 1900 S. 438 f.

2) Veesenm.: Ist das Hohenzollern?